Drei Ausstellungen zum Thema Überwachung

Ich seh was, was du nicht siehst

Vom Drohnen-Ratgeber bis zum Abhörtrichter: Drei Ausstellungen in Berlin zeigen institutionenübergreifend Kunst zum Thema Überwachung.
Ich seh was, was du nicht siehst

Simon Menner: "Untitled", 2013, Stasi Agent während eines Verkleidungs-Seminars

Wenn jemand auf Facebook immer wieder Fotos von Katzen und Mittagessen postet, dann verliert man irgendwann das Interesse am Leben der Person. Genau darauf legte es der Künstler Hasan Elahi an – aus gutem Grund: Der US-Amerikaner wurde vom FBI verdächtigt, Sprengstoff zu lagern. Monatelang wurde er überwacht, bis er beschloss, den Spieß umzudrehen. Seit 2002 schickte er mehr als 70 000 private Schnappschüsse an die Ermittler – und gewann durch die banale Bilderflut ein Stück Freiheit zurück.

Die daraus komponierten Fotoinstallationen zählen zu den Arbeiten von rund 30 Künstlern zum Thema Überwachung, dem sich die Fotoinstitutionen Berlins erstmals häuserübergreifend widmen. Die Kunst macht dort sichtbar, was im Verborgenen bleiben soll. Damit das gelingt, machen sich Künstler trickreich Kameras, Drohnen, Satelliten oder Google Earth zu Komplizen. Andrew Hammerand etwa steuert Überwachungskameras in den USA vom eigenen Rechner. "Die Positionen verdeutlichen, dass gefilmtes Material selbst ohne unser Wissen öffentlich zugänglich ist", erklärt die New Yorker Kuratorin Yukiko Yamagata der Open Society Foundations, die den Ausstellungsteil im Museum für Fotografie mitkonzipierte. Es ist der Konflikt zwischen Staatssicherheit oder nützlichen Hightechentwicklungen und der Aufgabe unserer Privatsphäre, die viele Arbeiten eindrucksvoll visualisieren.

Im c/o Berlin geht es der Kuratorin Ann-Christin Bertrand darum, "das abstrakte Phänomen Überwachung erfahrbarer zu machen". Dafür wurde die ursprünglich für die Hasselblad Foundation organisierte Schau vor allem um Multimedia-Arbeiten erweitert: So schaut man Jill Magid dabei zu, wie sie sich von Mitarbeitern der Firma City Watch mit geschlossenen Augen per Knopf im Ohr von Überwachungskamerabildern durch Liverpool leiten lässt. Und dass die Freiheitsbeschränkung durch Beobachtung nicht erst ein Phänomen der Gegenwart ist, illustriert faszinierend der dritte Ausstellungsteil. 

Das allsehende Auge Gottes

Auf zahlreichen Druckgrafiken aus den Beständen der Kunstbibliothek symbolisieren Augen den allsehenden Blick Gottes. Ein um 1650 entstandener Kupferstich zeigt zwischen Palastsälen eingemauerte Abhörtrichter, die Fürsten zum Belauschen von Gesprächen dienten. Gerade die Fülle verschiedenster Visualisierungen erinnert an die gesellschaftspolitische Brisanz des Themas. Zugleich geben die zeitgenössischen Werke Anstöße, die Ich-hab-doch-nichts-zu-verbergen-Mentalität zu überdenken. Und für alle, die sich selbst zur Wehr setzen wollen, liegt Ruben Praters "Drone Survival Guide" zum Mitnehmen bereit. Damit lassen sich nicht nur Drohnentypen identifizieren. Der silberbeschichtete Bogen macht auch gänzlich unsichtbar für die Flugaufklärer.

Der Katalog zur Ausstellung "Watched!" ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen und kostet 38 Euro.

Das Feld hat Augen. Bilder des überwachenden Blicks
Anhand von 75 Druckgrafiken, Buchobjekten, Fotografien und optischen Apparaten wird eine Bild- und Kulturgeschichte des überwachenden Blicks vom 16. bis zum 20. Jahrhundert aufgefächert
Museum für Fotografie ,  Berlin
18185
Bild & Text Teaser
art - Das Kunstmagazin
Im Kontext der Datensammelwut untersucht die Ausstellung wie Fotografie sowohl ein Werkzeug der Überwachung sein kann, als auch ein Mittel, die negativen Folgen des Sammelns offenzulegen
Museum für Fotografie ,  Berlin