Lucas Cranach in Düsseldorf

Sex, Kunst und Propaganda

Lucas Cranach, der große Maler und geschäftstüchtige Künstler aus Oberfranken ist der heimliche Superstar im Lutherjahr.
Sex, Kunst und Propaganda

Lucas Cranach: "Das ungleiche Paar", um 1530, Malerei auf Buchenholz, 38,8 × 25,7 cm, Museum Kunstpalast, Dauerleihgabe der Kunstakademie Düsseldorf

Je länger man die Alten Meister betrachtet, desto jünger schauen sie zurück. Das gilt vor allem für Lucas Cranach (1472 bis 1553), der als junger Wilder Kreuzigungsszenen malte, dass es die hingerissenen Betrachter grauste, und der buchstäblich auf der Durchreise das Andachtsbild revolutionierte, indem er die Heilige Familie in eine Donaulandschaft setzte, die so stinknormal war, als wären Josef und Maria erschöpfte Wanderer wie du und ich.

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Dieser rebellische Geist machte ­Cranach (der seinem Beinamen "der Ältere" in so ziemlich allem zu spotten scheint) zum perfekten Künstlerfreund des Reformators Martin Luther. Als Hofmaler in Wittenberg gewährte er der späteren Frau Luthers, Katharina von Bora, Unterkunft und war dann Trauzeuge bei ihrer Hochzeit. Er ließ seine perfekt organisierte Werkstatt auch reihenweise antipäpstliche Propaganda produzieren und stilisierte Luther auf einigen ebenso unverfrorenen wie grandiosen Porträts zur volksnahen Heiligenfigur.

Als Parteigänger des radikalen Wandels versuchte Cranach sogar, ein Bildprogramm für die Bilderstürmer zu entwickeln. Allerdings war er wohl nicht vollkommen überzeugt von der Kraft der reformatorischen Malerei und nahm ungeniert weiterhin Aufträge der katholischen Gegenseite an. Anlässlich des Lutherjahrs macht sich jetzt das Düsseldorfer Museum Kunstpalast daran, uns Lucas Cranach in all seinen Widersprüchen als ewig jungen Maler vorzustellen.

Wobei in "Cranach. Meister – Marke – Moderne" auch deutlich wird, dass er es beim Malen nicht beließ. Cranach war ein geschickter Politiker in ereignisreichen Zeiten (der gebürtige Oberfranke wurde dreimal Bürgermeister von Wittenberg), sein Geschäftssinn machte ihn zu einem der reichsten Männer Sachsens, und auf dem Feld der Selbstvermarktung stach er selbst den talentierteren Albrecht Dürer aus.

All dies sowie seine Vorliebe für grazile, bevorzugt nackte Schönheiten und saftige Satire ließen ihn zum Fixstern der damaligen Kunst­szene aufsteigen und machte ihn auch für moderne Maler interessant. Unter den rund 200 Werken der Ausstellungen finden sich daher neben zahlreichen Cranach-Bildern auch Arbeiten von Pablo Picasso, Marcel Duchamp, Otto Dix oder Andy Warhol – lauter Künstler, die Cranachs anhaltenden Einfluss auf die Kunstgeschichte bezeugen sollen.

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Die bedeutendsten Leihgaben der Düsseldorfer Schau bleiben freilich Cranach vorbehalten: Aus der Staatlichen Eremitage in St. Petersburg kommt eine lebensgroße Venus des Meisters, aus Budapest "Christus und die Ehebrecherin" und aus allen Himmelsrichtungen die zerstreuten Einzelteile des Prager Altars. Eine weitere Attraktion der umfangreichen Ausstellung ist natur­wissenschaftlicher Art: Mithilfe modernster Technik lassen sich Mal­weise und Organisation der großen, arbeitsteiligen Cranach-Werkstatt nachvollziehen.

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