Documenta 14: Marta Minujín in Athen

Griechische Oliven für Frau Merkel

Ihr Büchertempel in Kassel dürfte zum Wahrzeichen der Documenta 14 werden. Doch schon am Standort Athen sorgt die argentinische Künstlerin Marta Minujín für Furore und tilgt die griechischen Schulden an Deutschland – mit Oliven.
Griechische Oliven für Frau Merkel

Mit einem Modell des "Parthenon der Bücher" in ihrem Atelier: Marta Minujín

"Von Athen lernen" heißt das Motto der diesjährigen Documenta 14. Zweifellos hat Documenta-Leiter Adam Szymczyk mit Marta Minujíns griechischem Bücher-Tempel das perfekte Werk ausgewählt. In Originalgröße will die argentinische Performance-Künstlerin ihren "Parthenon der Bücher" auf dem Kasseler Friedrichsplatz aufbauen.

100.000 ehemals "verbotene" Bücher werden die Säulen, Friese und Giebel des griechischen Tempels verzieren, der ihr als Mahnmal, als ästhetisches Symbol für Demokratie und Freiheit dient. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit. Hochbrisante Themen, schaut man derzeit in die Türkei oder auch in Donald Trumps USA.

Griechische Oliven für Frau Merkel

Einen "Partenón de libros inclinándose" installierte die Künstlerin bereits 1983 in Buenos Aires.

Minujín schlägt aber nicht nur auf dem Kasseler Friedrichsplatz eine Brücke zum zweiten Documenta-Standort Athen. Schon am kommenden Samstag wird sie zur Eröffnung in der griechischen Hauptstadt eine künstlerische Verbindung von Griechenland nach Deutschland ziehen. Und zwar mit Oliven. Griechischen Oliven. Einer Menge davon: 400 Kilogramm!

Die Künstlerin wird sie der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zur symbolischen Begleichung der griechischen Schulden an Deutschland überreichen. "Ich werde mich mit Angela Merkel streiten. Wir werden uns anschreien. Dann setzen wir uns in diesem riesigen Haufen griechischer Oliven auf zwei Stühlen gegenüber und ich werde mit ihnen Griechenland Auslandsschulden begleichen", schmunzelt Minujín in ihrem Atelier in Buenos Aires.

Eine Provokation für die deutschen Steuerzahler?

Auf den Deal wird die deutsche Bundeskanzlerin natürlich nicht eingehen. Auch an der Performance wird sie nicht teilnehmen. "Ich musste leider eine Doppelgängerin engagieren, da Frau Merkel auf meine schriftliche Einladung zum Event nicht einmal antwortete", verrät Marta Minujín im Gespräch mit art.

Politische Kunst? Eine Provokation für die deutschen Steuerzahler? Oder eine künstlerische Ohrfeige für Finanzminister Wolfgang Schäuble? "Nein, das ist mediale Konzeptkunst", gibt Minujín zu verstehen. Natürlich habe sie ihre politische Meinung: "Griechenland erstickt an seinen Schulden. Dabei hat es gar keine. Die Griechen beglichen ihre Finanzschulden schon vor Jahrhunderten, als sie der gesamten westlichen Welt ihre Kultur schenkten", so die argentinische Konzept- und Performance-Künstlerin.

Es ist nicht das erste Mal, dass sie eine solche "Schuldenzahlungs"-Performance darbietet und diese fotografisch festhält. Bereits 1985 bezahlte sie dem US-Künstler Andy Warhol symbolisch die Auslandsschulden Argentiniens mit den USA in Form von Maiskolben, dem "Gold Südamerikas". "Andy und ich hatten einen Riesenspaß", erinnert sich die heute 74-jährige Künstlerin und zeigt in ihrem Atelier auf die berühmte Fotoserie, die Amerikas Popart-Legende und Argentiniens Popart-Diva auf zwei Stühlen sitzend in einem Berg aus Tausend Maiskolben zeigt.

Griechische Oliven für Frau Merkel

Schon 1985 beglich die Künstlerin Staatsschulden: mit Andy Warhol und einem Haufen Maiskolben.

1996 traf sich sie dann mit Großbritanniens "Margaret Thatcher" beziehungsweise einer Doppelgängerin, um den Falkland-Konflikt mit Maiskolben zu lösen. Diese schrie, geriet außer sich, klammerte sich an den Stuhl, auf dem sie Marta in einem Haufen von Maiskolben gegenübersaß.

Kein Wunder. Im Falkland-Krieg mit Argentinien ging es für Margaret Thatcher 1982 um mehr als nur eine um kleine Inselgruppe im Südatlantik vor der Küste Argentiniens. Die Rückeroberung zementierte ihren Ruf als kompromisslose "Eiserne Lady" und sicherte ihr spektakuläre Wahlsiege. Daran konnte auch Marta Minujín nichts ändern. Ihre gefilmte und fotografierte Performance-Schau "Solving the international conflict with Art and Corn" wurde dennoch ein voller Erfolg!

Griechische Oliven für Frau Merkel

Minujín in ihrem Atelier in Buenos Aires

Minujín gehört zu den populärsten und wichtigsten zeitgenössischen Künstlern Argentiniens. Ihre Video-Installationen, bewohnbaren Skulpturen, Happenings und Performance-Kunstwerke wurde bereits in Weltmuseen wie dem New Yorker MoMA, der Londoner Tate Gallery oder im Pariser Centre Pompidou gezeigt.

In diesem Jahr wurde sie mit dem Velázquez-Preis für bildende Künste ausgezeichnet. Die international renommierte Auszeichnung des spanischen Kulturministeriums zeichnet alljährlich herausragende Künstler aus Spanien und Lateinamerika aus. Geehrt wurde die 1943 in Buenos Aires geborene Künstlerin wurde für die "Zerstörung populärer Mythen" und ihr "politisches Engagement" als Künstlerin, erklärte das Kulturministerium.

Schauplätze in Athen
In rund zwei Wochen beginnt die Kunstausstellung in Athen. Nun haben die Veranstalter eine Liste der Ausstellungsorte veröffentlicht – und verraten sogar ein paar Künstler, die dort zu Gast sein werden
Documenta 14
So gigantisch, dass sie nur alle fünf Jahre stattfinden kann: Die Documenta in Kassel ist eine der weltweit bedeutendsten Ausstellungsreihen zeitgenössischer Kunst. Hier finden Sie Bilder, Berichte und Highlights aus Kassel und Athen