Maria Sibylla Merian in Berlin

Die Powerfrau

Maria Sibylla Merian war eine ungewöhnliche Frau, die Kunst und Wissenschaft auf faszinierende Weise verband. Sogar ein Zar gehörte zu ihren Bewunderern. Das Kupferstichkabinett in Berlin zeigt jetzt Arbeiten der hoch angesehenen aber arm gestorbenen Künstlerin.
Die Powerfrau

Links: Maria Sibylla Merian: "Banane - Blüte und Fruchtstand", Kupferstich, 1705, Rechts: Maria Sibylla Merian: "Granatapfel und Schmetterlinge", Kupferstich, 1705

Weiblich, berufstätig, geschieden, jahrelang alleinerziehende Mutter, die trotz aller Widrigkeiten sich ihren Traum erfüllt und in den Regenwald von Surinam reist, um Flora und Fauna zu erforschen und  zu malen – Maria Sibylla Merian (1647 bis 1717) würde heute als Powerfrau gelten. Eine Bezeichnung, die der in Frankfurt am Main geborenen Künstlerin und Naturforscherin wohl nie zu Ohren gekommen ist.

Zu ihren Lebzeiten gab es noch Hexenverbrennungen. Und höhere Bildung, gar wissenschaftliche Forschungen waren für Mädchen tabu. Doch die Tochter des Kupferstechers Matthäus Merian verstand es, sich durchzusetzen: zielstrebig, ehrgeizig und künstlerisch sehr begabt.

Schon als Kind malte sie detailgetreue Blumenbilder und erlernte die Technik des Kupferstichs. Ihre zweite Leidenschaft gehörte der Naturbeobachtung. Auf dem heimischen Dachboden soll sie Schmetterlingslarven gesammelt haben, um das Schlüpfen der Falter miterleben zu können. Was sie im Pflanzen-  und Tierreich beobachtete, schrieb sie nicht nur genau auf, sondern hielt es in wunderbar komponierten Bildern – Deckfarbenzeichnungen und fein kolorierten Drucken – fest. Ihre reich illustrierten Bücher über Pflanzen und Insekten wecken noch heute Interesse und Bewunderung bei Kunstfreunden wie bei Biologen.

Der 300. Todestag dieser außergewöhnlichen Frau ist nun Anlass für eine Ausstellung, die zunächst im Kupferstichkabinett in Berlin gezeigt wird und ab 11. Oktober im Frankfurter Städel-Museum gastiert. Für das Gemeinschaftsprojekt »Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes« haben beide Häuser rund 150 Werke zusammengetragen. Neben Arbeiten der Künstlerin sind andere Pflanzendarstellungen aus dem Spätmittelalter bis hin zur Romantik zu sehen.

Meisterin der Blumenmalerei
Sie war schon vor Jahrhunderten eine ungewöhnlich emanzipierte Frau: Maria Sibylla Merian ist bis heute für ihre kunstvollen und naturgetreuen Blumenbilder bekannt. Vor 300 Jahren starb die berühmte Naturkundlerin und Künstlerin

Sie führen die Vielfalt dieser Gattung vor Augen und unterstreichen die besondere Bedeutung und Qualität der naturkundlich wie künstlerisch überzeugenden Bilder Merians. Zu den Bewunderern ihres Werks gehörte Peter der Große von Russland. Für 3000 Gulden kaufte der Zar ein umfangreiches Konvolut ihrer Zeichnungen. Für Merian, die sich für ihr letztes Meisterstück, Metamorphosis insectorum Surinamensium, -finanziell ruinierte hatte, kam dieser Geldsegen zu spät. Sie starb kurz vor dem Kauf: hoch angesehen, aber arm.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag, die Museumsausgabe wird zirka 29 Euro kosten, die Buchhandelsausgabe 39,95 Euro. Gegen Vorlage ihrer artCard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt.

 

Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes
Schau mit rund 150 Werken auf Papier und Pergament des 16. bis zum späten 18. Jahrhunderts aus den Sammlungen des Berliner Kupferstichkabinetts und des Städel-Museums. Im Mittelpunkt stehen die Arbeiten der Naturforscherin und Künstlerin Merian (1647–1717). Weitere Station: Städel-Museum, Frankfurt (11.10.–14.1.2018)
Kupferstichkabinett ,  Berlin
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