Kurzporträt: Otobong Nkanga

Auf der Jagd nach Glück

Wenn in ihrer Arbeit Steine und Pflanzen vorkommen, so hat das nichts mit Arte Povera zu tun – Otobong Nkanga im Kurzporträt.
Auf der Jagd nach Glück

Otobong Nkanga vor einem von ihr gefertigten Wandteppich für das wiedereröffnete Weltkulturen Museum in Frankfurt am Main.

Die Dinge im Fluss Wenn Otobong Nkanga erzählt, öffnen sich 1000 Türen. Geboren 1974 im nigerianischen Kano, lebt sie heute in Antwerpen - und momentan als DAAD-Stipendiatin in Berlin. Wenn in ihrer Arbeit Steine und Pflanzen vorkommen, so hat das nichts mit Arte Povera zu tun, sondern es geht um die Geschichten, die darin verborgen sind.

»Ich betrachte ein Ding von allen Seiten. Welche Identitäten trägt es in sich? Wo kommt es her, was ist es heute, und wie könnte es irgendwann sein?«

In ihren Installationen, Objekten und Performances wird daher aus einem Element wie Glimmerstein nicht nur eine Grundlage für Make-up, sondern eine Festplatte aus Erinnerungen: In Nigeria lag dieses delikate Mineral am Wegesrand; Nkanga und ihre Schwester lasen sie auf und rieben sie auf die Haut - ohne zu wissen, dass sie eines Tages tatsächlich dafür umgearbeitet würde.

Oder Indigo: In Marokko gewinnt man es aus Stein, in Nigeria aus einer Pflanze, die Nkangas Mutter zum Kleiderfärben benutzte, weshalb bei dem Geruch lauter Erinnerungen auftauchen. Mit derlei Gesten der Identitätsverschiebung geht die Künstlerin gegen Klassifizierungen an, wie wir sie im 19. Jahrhundert gelernt haben: »Wir denken immer noch in Kriterien, die der Ausbeutung der Kolonien dienten. Die Museen sind voll davon - und alles andere als unschuldig.«

Ihren Blick auf den Fluss der Dinge bezieht Nkanga auch auf Menschen, die ihre Heimat verlassen und anderswo zu einem anderen werden. Ihre Arbeit auf der Venedig Biennale 2014 hieß "In Pursuit of Bling" - auf der Jagd nach Glück.

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