Die Geschichte der Documenta

2012: Documenta 13

Selten hatte eine Ausstellungsmacherin im Vorfeld einer großen Ausstellung so viel Spott und Häme auf sich gezogen. Doch die Documenta 13 wurde zur Lehrstunde für viele Kritiker. Carolyn Christov-Bakargiev überzeugte mit einer Documenta des Staunens.
2012: Documenta 13

Landschaftsprojekt in der Karlsaue von Pierre Huyghe: Hündin Luna und ihre Welpe Señor

Dichte und dunkle Theoriewolken hatte Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev im Vorfeld aufsteigen lassen, die alle Konturen der Schau vernebelten. Selten hat eine Ausstellungsmacherin so viel Spott und Häme auf sich gezogen: Die Hunde sollten die Kunst betrachten, die Erdbeeren wählen gehen, der Unterschied zwischen Frau und Tomate ausgelöscht werden.

Noch auf der Pressekonferenz war die allgemeine Ablehnung zu spüren, so egozentrisch und abgedreht erschien diese mysteriöse "CCB", die jedes Konzept verweigerte und sich konsequent als Querdenkerin inszenierte. Und wohl noch nie hat eine Kuratorin so souverän und überraschend das Urteil gedreht: ohne Worte, nur durch das Zeigen von Kunst.

Documenta 14
So gigantisch, dass sie nur alle fünf Jahre stattfinden kann: Die Documenta in Kassel ist eine der weltweit bedeutendsten Ausstellungsreihen zeitgenössischer Kunst. Hier finden sie alle Informationen zur Geschichte und Gegenwart der Schau
2012: Documenta 13

Plakat zur Documenta 13

Es wurde eine Lehrstunde für alle vorschnellen Kritiker! Die Documenta war gut. Sie überzeugte und sie bezauberte, sie war bildgewaltig und klug, engagiert und tolerant, reich und problemorientiert, sie bewies Sinn für Geschichte, und sie eröffnete neue Zugänge zur Gegenwart. Mehr kann man nicht verlangen von einer Ausgabe der Weltkunstschau, die sich seit 1955 immer neu erfindet und dabei den Anspruch hat, jedes Mal die Maßstäbe neu zu definieren.

Jetzt wissen wir, was uns bei den internationalen Großausstellungen zuletzt gefehlt hat: das Staunen, die Neugier, die Offenheit auch für das Versponnene und Verquere der Kunst, die 2012 den Gang durch Kassel zur Entdeckungsreise für alle Sinne machte. So absurd es klingen mag: Das Überraschendste (und das Erfreulichste) an der d 13 war: Sie ist eine Schau der Künstler für das Publikum geworden - und alles andere als eine kuratorische Kopfgeburt, die Kunst nur als Argument gebraucht.

Documenta 13: Highlight & Fakten

Highlight: Die Documenta 13 war eine wahre Fundgrube für Entdeckungen. In Erinnerung bleiben wird in jedem Fall Pierre Huyghes Landschaftsprojekt mit den beiden vierbeinigen Hauptdarstellern: der spanischen Windhündin Human und ihrem Welpen Señor.

Laufzeit: 9. Juni bis 16. September 2012

Künstlerische Leitung: Carolyn Christov-Bakargiev

Ausstellungsorte: Museum Fridericianum, Neue Galerie, documenta-Halle, Brüder-Grimm-Museum, Ottoneum, Orangerie, Karlsaue, Hauptbahnhof, Oberste Gasse 4, Untere Karlsstr. 14, Abseits der Hauptschauplätze: Kabul: 20. Juni bis 19. Juli 2012, Alexandria-Kairo: 1. - 8. Juli 2012, Banff: 2. - 15. August 2012

Teilnehmer: 194

Anzahl der Werke:

Budget: 30,7 Millionen Euro

Besucher: 904 992

Eintrittspreise:  1 Tag: 20 Euro, ermäßigt 14 Euro, 2 Tage: 35 Euro, ermäßigt 25 Euro, Abendkarte: 10 Euro, ermäßigt 7 Euro, Dauerkarte: 100 Euro, ermäßigt 70 Euro, Schulklassen: 6 Euro, Familienkarte: 50 Euro 

Kataloge: Bettina Funcke, 1. Das Buch der Bücher, 2. Das Logbuch, 3. Das Begleitbuch, 4. Publikationsreihe "100 Notizen - 100 Gedanken" Nr. 1 - 105