Die Geschichte der Documenta

1997: Documenta 10

Die Documenta 10, unter der Leitung von Catherine David, glänzt durch die Entschlossenheit, mit der sie auf Themen zugeht. An manchen Stellen verheddert sie sich aber zugleich in ihnen.
1997: Documenta 10

Catherine David erklärte die Documenta 10 zur "manifestation culturelle" und betonte die Rolle der Theorie. Peter Koglers computererzeugtes Röhrenlabyrinth in der Documenta-Halle beschrieb die digitale Vernetzung der Welt.

Die Erwartungen waren hoch gesteckt. Der Ankündigung von Catherine David zum Trotz, die d 10 solle ein weit über die bildende Kunst hinausreichendes kulturelles Ereignis werden, ist diese doch geblieben, was die documenta immer war: eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst.

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Strecken Teaser

Anders als bei Harald Szeemanns verworfenem Konzept für die d 5, an das Davids d 10 erkennbar anknüpfen will, beschränkt sie ihre "manifestation culturelle" aufs Diskursive. Die Vorträge und Debatten der "100 Tage - 100 Gäste" werden trotzdem ein Erfolg. Was die Ausstellung angeht, so läuft sie unter der Überschrift "Retroperspektiven".

1997: Documenta 10

Plakat zur Documenta 10

Hier werden nicht nur Werke und Themen versammelt, die Catherine David umtreiben. Präsentiert werden hochkomplexe Werke, die Bedingungen untersuchen, unter denen Kunst als Gegenentwurf zum Bestehenden auftritt und sich als kritische zu bewähren hat.

Um den melancholisch gestimmten Zeitgeist am Ende des 20. Jahrhunderts durch Erinnerung und Rückbindung an die Experimente der sechziger und siebziger Jahre zu erfrischen, wird die trennende Ordnung von Zentrum und Peripherie unterlaufen und Kunst als ästhetische Feldforschung betrieben. David wagt es, zurück zu einer engagierten Kunst aufzubrechen, oft ohne die Werke so zu präsentieren, dass sie ihre Wirkung entfalten können. Zwar glänzt die d 10 durch die Entschlossenheit, mit der sie auf die Themen zugeht, die die Welt bewegen. Sie verheddert sich aber zugleich in ihnen und bietet oft nur bestaunte Absichten. So bleibt die d 10 auf ihrem Weg zurück in die Zukunft einer engagierten, politisch wachen und auf die Bilder und Probleme der Welt zugehenden Kunst auf halbem Wege stecken.

Documenta 10: Highlight & Fakten


Highlight: Mit der Documenta 10 verbindet man Arbeiten wie das "Adler-Museum" von Marcel Broodthaers, Peter Koglers illusionistisches Röhrenlabyrinth in der documenta-Halle und Gerhard Richters "Atlas". Besonderes Raffinement beweist Richard Hamilton, der mit seinen "Seven Rooms" ein Glanzstück anschaulicher Reflexion abliefert.

Laufzeit: 21. Juni bis 28. September 1997

Künstlerische Leitung: Catherine David

Ausstellungsorte: Museum Fridericianum, documenta-Halle, Orangerie, Karlsaue, Kulturbahnhof, Treppenstraße u.a.

Teilnehmer: 138

Anzahl der Werke: 569

Budget: 21,73 Millionen DM

Besucher: 629 000

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