Die Geschichte der Documenta

1992: Documenta 9

Die Documenta 9 ist überraschend reich an gelungenen Werken. Vielleicht weil Jan Hoet sie als "bewusste und persönliche Stellungnahme zu unserer Zeit" konzipiert und auf seine Intuition vertraut. Er zeigt zirka 1000 Werke von annähernd 200 Künstlern.
1992: Documenta 9

Seit der Documenta 9 steht die Skulptur "Man Walking into the Sky (Himmelsstürmer)" von Jonathan Borofsky am Hauptbahnhof in Kassel

Jan Hoet vertraut bei der d 9 auf seine Intuition. "Heute müssen die Dinge selbst wieder wichtiger werden als das, was wir über sie zu sagen haben", lautet seine Parole.

Also verzichtet er auf eine theoretische Fundierung, konzipiert die d 9 als "bewusste und persönliche Stellungnahme zu unserer Zeit". Er verspricht intensive Orte, die Bezüge zu Außerkünstlerischem und Korrespondenzen zu anderen Werken herstellen sollen.

1992: Documenta 9

Plakat der Docomenta 9

Die Tatsache, dass sich viele Werke mit dem Menschen, mit Körperlichkeit, eigener Körpererfahrung und körperbezogener Wirklichkeitserfahrung befassen, rückt das Anthropologische ins Zentrum und stellt es dem Sozialen und Politischen gegenüber. Deutlich wird das auf exemplarische Weise, wenn in Bruce Naumans Videoinstallation "Anthro/Socio" das gesellschaftlich gequälte Individuum lautstark seine Klage hinausschreit.

Hoets monumentaler Schau mit rund 1000 Werken von annähernd 200 Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt gelingt es darüber hinaus, eine Fülle an lauten und leisen, spektakulären und bescheidenen, strengen und entspannten Arbeiten auszubreiten. Auch wenn sich Jan Hoet zu sehr auf das einzelne Werk konzentriert, sich oft selbst zum Künstler stilisiert und mit grellen zirzensischen Effekten von der Kernaussage der d 9 ablenkt, selten zuvor versammelt eine documenta so viele herausragende, offen oder versteckt politische Kunstwerke.

Documenta 9: Highlight & Fakten


Highlight: Die Documenta 9 ist überraschend reich an gelungenen Werken: Auch wenn Jonathan Borofskys "Man walking to the sky" in Kassel geblieben ist und noch heute vor dem Kulturbahnhof stramm aufwärts marschiert, so ist es doch Bruce Nauman, der mit seiner Videoinstallation "Anthro/Socio" im Fridericianum Furore macht. Auch Ilya Kabakovs "Wohnklo" hinter dem Fridericianum und Lothar Baumgartens mit Wörtern und Spielkartensymbolen bemalter Zwehrenturm gehören zu den Highlights.

 

Laufzeit: 13. Juni bis 20. September 1992

 

Künstlerische Leitung: Jan Hoet

Ausstellungsorte: Museum Fridericianum, Orangerie, Neue Galerie, documenta-Halle, Innenstadt u.a.

Teilnehmer: 196

Anzahl der Werke: 1000

Budget: 18,65 Millionen

Besucher: 616 000

Eintrittspreise: 1 Tag: 20 DM, ermäßigt 12 DM; 2 Tage: 30 DM, ermäßigt 18 DM; Abend: 9 DM, ermäßigt 5 DM; Dauerkarte: 100 DM, ermäßigt 50 DM; Gruppe: 16 DM/Person, ermäßigt 6 DM;

Kataloge: Bd. 1: Essays, Biografien; Bd. 2: Künstler A-K; Bd. 3: Künstler L-Z; Edition Cantz, Stuttgart; deutsche und englische Katalog-Ausgabe: 95,- DM

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