Die Geschichte der Documenta

1987: Documenta 8

Manfred Schneckenburger springt als Leiter der Documenta 8 ein. Die zweite Ausgabe unter seiner Leitung soll konzentriert, aber offen sein. Die Theorie hat Pause. Mittels "Erlebnisräumen" versucht er eine neue Haltung in der Kunst zu fassen.
1987: Documenta 8

"Der Lauf der Dinge" des Schweizer Duos Fischli/Weiss war einer der Publikumslieblinge der d 8 - noch heute ist der urkomische Film als DVD zu kaufen.

Als Wenzel Beuys am Eröffnungstag der d 8 in Vertretung seines verstorbenen Vaters vor dem Fridericianum die letzte der "7000 Eichen" für Kassel pflanzt, endet eine wohl einmalige Aktion, die fünf Jahre zuvor bei der d 7 mit einem riesigen, keilförmigen Basalthaufen begonnen hatte.

Ohne Beuys wäre die von der d 8 propagierte Abkehr der Kunst von bloßer Selbstreflexion und Selbstbespiegelung und ihre abermalige Hinwendung zur "historischen und sozialen Dimension" der Kunst kaum denkbar gewesen.

1987: Documenta 8

Plakat der Documenta 8

Eigentlich sollten Edy de Wilde und Harald Szeemann die d 8 gemeinsam leiten. Doch beide wollen nicht. Also wird abermals Manfred Schneckenburger als Retter gewonnen. Der verzichtet auch bei seiner zweiten documenta pragmatisch darauf, das, was gezeigt wird, in den "Griff eines einzigen Schlagworts zu nehmen".

Bazon Brock darf zwar Gottsucher und Unterhaltungsidioten schelten, im Ganzen aber hat die Theorie Pause. Ohne einen Folkloreteppich aus gut gemeinter Prophetie und Weltveränderungspathos zu weben, versucht Schneckenburger "eine aufkommende Haltung in der Kunst" mittels "Erlebnisräumen" zu erfassen. Die d 8 soll konzentriert, aber offen sein.

Die Tendenz, der recht spärlich vertretenen Malerei - Überraschungen sind Mark Tansey und Leon Golub - eine neue Art von Skulptur an die Seite zu stellen, ist unübersehbar. Sie tritt als "Modell" in Erscheinung oder stößt in urbane Kontexte vor. Auch lässt Schneckenburger Architekten "Das ideale Museum" entwerfen und stellt der erweiterten Skulptur Beispiele aktuellen Designs an die Seite, die jenseits des Dogmas der Funktionsgebundenheit der Form für eine neue gestalterische Freiheit streiten.

Der Lauf Der Dinge (The Way Things Go) - Peter Fischli & David Weiss

Documenta 8: Highlight & Fakten


Highlight: In einem kleinen Raum im Fridericianum drängt sich das Publikum, um einen ganz besonderen "Filmzyklus über Kettenreaktionen" von Peter Fischli und David Weiss sehen zu können. Unter dem Titel "Der Lauf der Dinge" ist er berühmt geworden.

Laufzeit: 12. Juni bis 20. September 1987

Künstlerische Leitung: Manfred Schneckenburger

Ausstellungsorte: Museum Fridericianum, Orangerie, Karlsaue, Innenstadt u. a.

Teilnehmer: 240

Anzahl der Werke: 520

Budget: 8,96 Millionen DM

Besucher: 487 000

Eintrittspreise: 1 Tag: 10 DM, ermäßigt 5 DM; 2 Tage: 15 DM, ermäßigt 8 DM; 3 Tage: 10 DM; Abend: 5 DM; Dauerkarte; 80 DM, ermäßigt 40 DM; Gruppe: 8 DM/Person, ermäßigt 4 DM/Person; Führung: 6 DM/Person, ermäßigt 4 DM/Person

Kataloge:  Bd. 1: Aufsätze; Bd. 2: Katalog; Bd. 3: Künstlerbuch Günther Menke: Führer durch die Ausstellung, documenta press. 7 Ausgaben.Weber & Weidemeyer GmbH & Co KG Kassel. 3 Katalog-Bd.: 90,- DM

Documenta 14
So gigantisch, dass sie nur alle fünf Jahre stattfinden kann: Die Documenta in Kassel ist eine der weltweit bedeutendsten Ausstellungsreihen zeitgenössischer Kunst. Hier finden Sie Bilder, Berichte und Highlights aus Kassel und Athen