Die Geschichte der Documenta

1977: Documenta 6

Die Documenta 6 thematisiert die Herausforderungen der heraufziehenden Mediengesellschaft. Werke werden zu Environments erweitert und Kunst emanzipiert sich vom Museum. Einen kleinen Skandal gibt es auch.
1977: Documenta 6

Für das Kunstwerk "Vertikaler Erdkilometer" des Amerikaners Walter de Maria wurden Messingröhren von fünf Zentimeter Durchmesser der Länge nach miteinander verbunden und in ein 1000 Meter tiefes Bohrloch am Fridericianum versenkt. Das obere Ende des Messingstabes wurde in eine zwei mal zwei Meter große Sandsteinplatte eingefasst.

Manfred Schneckenburger, der nach allerlei Querelen und Absagen gleichsam aus der Not heraus zum Leiter berufen wird, bewährt sich als geschickter Pragmatiker.

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Strecken Teaser

Weil ihm klar ist, dass gegen den Anspruch der vorangegangenen d 5, umfassend die Realität zu befragen, nur schwer anzukommen ist, schlägt er einen anderen Weg ein. Er orientiert die d 6 an den Veränderungen und Herausforderungen, die sich für die Kunst aus der heraufziehenden Mediengesellschaft ergeben haben.

1977: Documenta 6

Plakat zur documenta 6

"Kunst in der Mediengesellschaft - Medien in der Kunst" lautet das Konzept. Nam June Paik lockt in den Video-Dschungel seines "TV-Garden" und zelebriert zusammen mit Charlotte Moorman ein elektronisches Fluxus- Ritual, und das Kunstwerk wird, ob in der "Honigpumpe am Arbeitsplatz", die Joseph Beuys in die "Rotunde" des Fridericianum einbaut, oder in den wuchernden Zettelträumen Anna Oppermanns zum Environment erweitert. Das noch frische Medium Video wird zu einer weiteren Hauptattraktion. Doch nicht nur, was die Medien angeht, beschreitet die d 6 neue Wege.

Mittels monumentaler Skulpturen wie Richard Serras "Terminal" und Walter De Marias "Vertical Earth Kilometer", einer Mischung aus Konzeptkunst, Land Art und Minimalismus, emanzipiert sich die Kunst vom Museum und greift in das Erscheinungsbild des Stadtraums ein.

Gestritten wird unter den Malern. Der Entschluss, mit Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, Willi Sitte und Werner Tübke auch Künstler aus der DDR zu präsentieren, führt dazu, dass Georg Baselitz und Markus Lüpertz ihre Bilder am Tag der Eröffnung abziehen.

Documenta 6: Highlight & Fakten


Highlight: Um die Krone streiten im Rückblick gleich drei Arbeiten: Richard Serras "Terminal" und Walter De Marias "Vertical Earth Kilometer" auf dem Friedrichsplatz sowie die "Honigpumpe am Arbeitsplatz", die Joseph Beuys in der "Rotunde" des Fridericianum installiert hat.

Laufzeit: 26. Juni bis 2. Oktober 1977

Künstlerische Leitung: Manfred Schneckenburger

Ausstellungsorte: Museum Fridericianum, Orangerie, Neue Galerie, Karlsaue u. a.

Teilnehmer: 492

Anzahl der Werke: 1400

Budget: 4,8 Millionen DM

Besucher: 355 000

Eintrittspreise: 2 Tage: 13 DM, 3 Tage: 16 DM, 10 Tage: 50 DM, ermäßigt 25 DM, Dauerkarte: ermäßigt 40 DM, Gruppe: 6 DM/Person, ermäßigt 3 DM

Kataloge: Bd. 1: Malerei, Plastik, Performance; Bd. 2: Fotografie, Film, Video; Bd. 3: Handzeichnung, Utopisches Design, Bücher; Paul Dierichs KG & Co, Kassel; 3 Bände: 75,- DM

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