Die Geschichte der Documenta

1972: Documenta 5

Harald Szeemann krempelt die documenta komplett um. Sämtliche Formen zeitgenössischen visuellen Produzierens werden in den Blick genommen. Das Sensationelle: Man beschränkt sich nicht mehr allein auf künstlerische Ausdrucksformen.
1972: Documenta 5

Zur Attraktion wurde das "Mouse Museum" von Claes Oldenburg. Der Besucher schritt den Grundriss eines Mickey-Mouse-Kopfes ab, wo ihm tausenderlei Kleinobjekte und verlorenes Kinderspielzeug ihre Magie als Alltagsfetische vor Augen führten

Nun ist Schluss mit lustig. Auf dem Spiel stehen mit einem Mal der traditionelle Werkbegriff, ja das Individuum selbst. Nach Ende der d 4 war der Ruf nach einem "Starken Mann" laut geworden, der in der Nachfolge Arnold Bodes die Geschicke der documenta leiten sollte.

So wird Harald Szeemann, der als Direktor der Kunsthalle Bern mit Ausstellungen wie "Live in your head: When Attitudes Become Form" sein Gespür fürs Zeitgenössische bewiesen hatte, zum neuen "Mr. Documenta". Auch wenn sein radikales Konzept, Bodes "Museum der 100 Tage" durch ein "100-Tage-Ereignis" zu ersetzen und aus der documenta eine "begehbare Ereignisstruktur mit sich verschiebenden Aktionszentren" zu machen, die von Künstlern eigenverantwortlich bespielt werden, verworfen wird, Szeemann krempelt die documenta um.

1972: Documenta 5

Der Entwurf für das Plakat zur documenta 5 stammt von Ed Ruscha

Zwar ändert er sein Konzept und realisiert schließlich doch eine Ausstellung. Diese ist aber von ganz anderer Art. Unter dem Titel "Befragung der Realität - Bildwelten heute" wird die d 5 thematisch und stellt sogar den "Beginn einer Nachkunstmarktzeit" in Aussicht. Mit Slogans wie "Besser sehen durch documenta 5" und "Kunst ist überflüssig" zelebriert man werbewirksam den Abschied vom bloßen Kunstgenuss.

Ergänzt um obsessive und radikal subjektive Weltentwürfe, die Szeemann als "Individuelle Mythologien" bezeichnet, werden sämtliche Formen zeitgenössischen visuellen Produzierens in den Blick genommen. Das Sensationelle der d 5 liegt darin, dass sie sich in ihrer Befragung der Wirklichkeit nicht allein auf künstlerische Ausdrucksformen beschränkt. Um den Kunstbegriff zu hinterfragen, stellt sie dem Kunstwerk massenhaft produzierte "Parallele Bildwelten" aus Werbung, Presse, Propaganda und Science- Fiction an die Seite.

Documenta 5: Highlight & Fakten


Highlight: Zur Attraktion wurde das "Mouse Museum" von Claes Oldenburg. Der Besucher schritt den Grundriss eines Mickey-Mouse-Kopfes ab, wo ihm tausenderlei Kleinobjekte und verlorenes Kinderspielzeug ihre Magie als Alltagsfetische vor Augen führten.

Laufzeit: 30. Juni bis 8. Oktober 1972

Künstlerische Leitung: Harald Szeemann

Ausstellungsorte: Museum Fridericianum, Friedrichsplatz, Neue Galerie

Teilnehmer: 222

Anzahl der Werke: 1100

Budget: 3,5 Millionen DM

Besucher: 220 000

Eintrittspreise: 1 Tag: 7 DM, ermäßigt 3,50 DM, 2 Tage: 12 DM, 3 Tage: 15 DM, Zehnerkarte: 50 DM, Gruppe: 5 DM/Person

Kataloge: 1 Ringbuchordner Bd. 1: Materialien; Bd. 2: Exponatenliste documenta GmbH / C. Bertelsmann Verlag, 1 Ringbuchordner: Aufl.: 20.000 / 65,- DM

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