Documenta 10: Catherine David

Die Chefin

Kritik und Vorbehalte der Medien begleiteten Catherine David auch auf ihrem Weg zur Documenta X. Doch sie hat den Besuchern ein Versprechen gemacht.
Die Chefin

Catherine David, künstlerische Leiterin der Documenta X, 1997 in Frankfurt.

Am Anfang der Documenta war Arnold Bode (1900 bis 1977). Die exemplarischen Ausstellungen der Jahre 1955, 1959, 1964 und 1965 gingen auf seine Initiative zurück und trugen seine Handschrift. Keiner seiner Nachfolger erlebte den Start der Institution Documenta bewußt. Harald Szeemann war 39 Jahre alt, als er 1972 die fünfte Documenta machte. Obwohl alt genug, hat er die ersten Ausstellungen versäumt. Manfred Schneckenburger machte 1977 mit 38 Jahren seine Documenta 6 – er war also
16, als das Unternehmen begann. Rudi Fuchs (Documenta 7) war 13. und Jan Hoet (Documenta 9) immerhin 19. Alle Documenta-Macher der Ära nach Bode standen vor der Aufgabe einen Mythos fortzuschreiben, dessen Wurzeln sie bestenfalls aus Katalogen kannten.

Catherine David hat sich um ihr Amt nicht beworben

In dieser Situation befindet sich nun auch die Französin Catherine David, 42, die als erste Frau zur Documenta-Leiterin ernannt wurde. 1955 war sie ein Baby; ihre erste Documenta sah sie mit 27. Doch mit dem Ruf ins exquisite Amt wuchs ihr zugleich die Chance zu, mit dieser zehnten, der Jubiläums-Documenta, auch Zeichen zu setzen. Die zehnte Documenta ist zugleich die letzte im 20. Jahrhundert und darum mit großen Erwartungen beschwert.

Catherine David hat sich um ihr Amt nicht beworben. Eine international besetzte Findungskommission spürte die polyglotte Halb-Spanierin während einer Sitzung auf. ln Paris wunderten viele. Zwar hatte sich die vielgereiste, vielseitig ausgebildete Kunsthistorikerin als Kustodin am Centre Pompidou und an der Staatlichen Kunsthalle Jeu de Paume mit zeitgenössischen Ausstellungen bewährt; sie war zeitweise Dozentin an der Pariser "Ecole du Louvre", hatte aber nie ein Museum geleitet.

Kritik und Vorbehalte der Medien begleiteten sie auch auf ihrem Weg zur Documenta X. Doch jetzt kann, darf und muss sie zeigen, wie ernst es ihr ist mit dem Versprechen:
"Die Besucher müssen fühlen, dass sie in der Documenta willkommen sind und ernst genommen werden."

Dieser Artikel erschien zuerst in art – Das Kunstmagazin, Ausgabe 6/1997.

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