Die Geschichte der Documenta

1968: Documenta 4

Mit der D4 schafft die Documenta den Anschluss an aktuelle Strömungen der Zeit. Es dominieren Arbeiten von Amerikanern, Pop Art, Kinetik und Minimalismus. Künstler bringen erstmals eigene Präsentationskonzepte mit nach Kassel.
1968: Documenta 4

"5600 Cubicmeter Package" von Christo und Jeanne-Claude in der Karlsaue

Die Ausgangslage ist Ende der sechziger Jahre schwierig. Nicht nur in der Politik, auch in der Kunst hat sich vieles verändert. Die Institution der Ausstellung wird in Frage gestellt, ihre soziale Relevanz problematisiert. Mit der d 4 schafft die Documenta gleichwohl den Anschluss an die aktuellen Strömungen der Zeit.

Gezwungenermaßen wird akzeptiert, dass die Kunst neue Wege in die soziale Wirklichkeit eingeschlagen hat. Gezeigt werden amerikanische Pop Art, Op Art, Kinetik, Minimal und Hard Edge. Aber auch Versäumnisse sind zu vermelden. Weder Fluxus noch Arte Povera, weder Happening noch Konzeptkunst werden ausführlich gewürdigt.

1968: Documenta 4

Oskar Blase, Plakat zur 4. documenta, 1968

 

Die Rolle von Werner Haftmann als Vordenker hat nun der Niederländer Jean Leering übernommen. Er verhilft vor allem dem Minimalismus mit Sol LeWitt, Donald Judd und Robert Morris zu einem großen Auftritt. Über die Auswahl aber bestimmt ein aufgeblähter documenta-Rat, was zu Spannungen und Austritten führt.

Weitere Höhepunkte sind großformatige Arbeiten von Andy Warhol, Robert Rauschenberg, Robert Indiana, Jasper Johns und Roy Lichtenstein, wie sie Bode, der weiter die Inszenierung besorgt, schon im US-amerikanischen Pavillon der Weltausstellung von Montreal begeistert haben. Angesichts der optischen Dominanz der amerikanischen Pop Art macht schnell das Schlagwort von der "americana" die Runde.

Bei der d 4 reisen aber auch erstmals Künstler mit eigenen Konzepten und präzisen Vorstellungen an, wie ihre Werke zu präsentieren sind. Es wird nicht nur mehr Beteiligung eingefordert, sondern auch handfest protestiert. Kurzerhand wird die Pressekonferenz zu einem Happening umfunktioniert.

Documenta 4: Highlight & Fakten


Highlight: Hier mag man sich streiten: War es das "5600 Cubicmeter Package", das Christo in der Karlsaue gen Himmel steigen ließ, oder waren es die "Cardinal Numbers" von Robert Indiana im Fridericianum?

Laufzeit: 27. Juni bis 6. Oktober 1968

Künstlerische Leitung: Arnold Bode

Ausstellungsorte: Museum Fridericianum, Galerie an der Schönen Aussicht, Orangerie, Karlsaue

Teilnehmer: 150

Anzahl der Werke: 1000

Budget: 2,8 Millionen DM

Besucher: 207 000

Eintrittspreise: 1 Tag: 5 DM, ermäßigt 1,50 DM; 3 Tage: 10 DM; Abend: 2 DM; Dauerkarte: 20 DM, ermäßigt 10 DM; Gruppe: 3,50 DM/Person; Bazon Brock Besucherschule: 3 DM

Kataloge: Band 1: Malerei, Plastik; Band 2: Grafik/Objekte, Druck + Verlag GmbH, Kassel

Documenta 14
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