Die Geschichte der Documenta

1964: Documenta 3

Statt sich wieder zu erneuern, setzt die Documenta 3 auf Etablierung und behauptet schlicht: "Kunst ist das, was bedeutende Künstler machen." Besonders eindrücklich sind die "Meisterkabinette", eine Auswahl von 500 Handzeichungen berühmter Künstler und die Präsentation der Arbeiten von Ernst Wilhelm Nay.
1964: Documenta 3

Arnold Bode zeigt Nays Bilder als Triptychon in einer Linie unter der Decke gestaffelt, so dass der Besucher kontinuierlich einen Dreiklang wahrnehmen kann.

Arnold Bodes Lust an der Inszenierung ist ungebrochen, allein Werner Haftmanns kunsthistorische Thesen wirken Mitte der sechziger Jahre etwas angestaubt. Statt sich programmatisch zu erneuern und Überlegungen anzustellen, in welcher Absicht das aktuelle Kunstgeschehen dokumentiert und analysiert werden kann, behauptet die d 3 schlicht und einfach: "Kunst ist das, was bedeutende Künstler machen."

Bewusst bekennt man sich zum Individuum und zu einem subjektiven Qualitätsurteil. Ungeachtet der Tatsache, dass die Abstraktion die Kunstproduktion Mitte der sechziger Jahre längst nicht mehr prägt, versucht die d 3, Haftmanns Geschichtsentwurf abzusichern.

1964: Documenta 3

Plakat zur Documenta 3, 1964

Um deutlich zu machen, welche Messlatte an die Gegenwartskunst angelegt werden soll, sind in der Alten Galerie 26 "Meisterkabinette" eingerichtet, in denen Werkgruppen unter anderem von Kirchner, Kandinsky, Beckmann, Picasso und Matisse gezeigt werden. Einhellig gelobt wird die Zusammenstellung von 500 Handzeichnungen am selben Ort, mit der Haftmann der documenta ein "triumphales Abschiedsgeschenk" (Manfred Schneckenburger) macht. Der Blick auf die Gesten und Spuren der Hand des Künstlers beginnt mit Blättern von Cézanne und van Gogh.

In museal wirkenden Leuchtkästen führt Haftmann noch einmal die Entwicklung der Kunst im 20. Jahrhundert vor, wie er sie sich denkt: Als einen Prozess, innerhalb dessen ein "reproduktiver" Bezug zur Wirklichkeit von einem "evokativen" abgelöst wird. Mit der Formel von der d 3 als dem "Museum der 100 Tage" prägt Bode einen Slogan, der bis heute nachwirkt.

Documenta 3: Highlight & Fakten


Highlight: Der Raum im Obergeschoss des Museum Fridericianum mit drei großen Bildern von Ernst Wilhelm Nay gehört - neben dem Sam-Francis-Raum - zu den markantesten Eindrücken der d 3. Bodes Trick: Er zeigt Nays Bilder als Triptychon in einer Linie unter der Decke gestaffelt, so dass der Besucher kontinuierlich einen Dreiklang wahrnehmen kann.

Laufzeit: 27. Juni bis 5. Oktober 1964

Künstlerische Leitung: Arnold Bode

Ausstellungsort: Museum Fridericianum, Alte Galerie, Orangerie, Staatliche Werkkunstschule

Teilnehmer: 298

Anzahl der Werke: 1414

Budget: 1,86 Millionen DM

Besucher: 200 000

Eintrittspreise: 1 Tag: 4 DM, ermäßigt 1 DM; 3 Tage: 10 DM; Dauerkarte: 20 DM; Gruppe: 2,50 DM/Person; Führung: 1 DM/Person

Katalog: Bd. 1: Malerei, Skulptur, M. DuMont Schauberg, Köln; Bd. 2: Handzeichnungen, Hessische Druck- und Verlagsanstalt GmbH, Kassel; Bd. 3: Industrial Design/Grafik, Verlag Friedrich Lometsch, Kassel 

Documenta 14
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