Die Geschichte der Documenta

1955: Documenta 1

Die Documenta in Kassel startet 1955 als Beiprogramm der Bundesgartenschau. Die improvisierte Inszenierung im Rohbau des zerstörten Museums Fridericianum gilt bis heute als Glanzstück moderner Ausstellungsarchitektur.
1955: Documenta 1

Arnold Bodes Ausstellungarchitektur gilt heute als Geniestreich: Skulpturensaal mit Arbeiten von Hans Mettel, Alexander Calder und Mirko

Die documenta beginnt als Idee eines einzigen Mannes: Arnold Bode. Schon seit 1946 verfolgt er den Plan einer Übersichtsausstellung, die den Grundriss der europäischen Kunstentwicklung seit Ende des 19. Jahrhunderts nachzeichnen soll. 1955 ist es dann soweit: Die documenta in Kassel startet als Beiprogramm der Bundesgartenschau.

Indem sie sich für eine neue Akzeptanz der modernen Kunst engagiert, wird sie zur Ausgangsposition für künftiges kulturelles Tun. Auch kann der Westen, wenige Kilometer von der Zonengrenze und dem Gegenbild des "Sozialistischen Realismus" entfernt, seine Leistungsfähigkeit auf dem Feld der Kunst unter Beweis stellen.

1955: Documenta 1

Plakat der 1. Documenta

Hauptanliegen der ersten documenta, die in vielem ein Solitär bleibt, ist es, kulturelle Wiedergutmachung zu leisten. Die von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamierten Künstler werden rehabilitiert, die Behauptung, moderne Kunst sei minderwertig, als Propagandalüge entlarvt. Arnold Bode organisiert und inszeniert, Werner Haftmann legt die kunsthistorischen Leitlinien fest.

Die documenta unternimmt eine Standortbestimmung, die auf die Fragen zielt: "Wo steht die Kunst heute? - Wo stehen wir heute?" Im Rohbau des zerstörten Museum Fridericianum wird die Not zur Tugend gemacht: Weiß gekalktes Mauerwerk, eingefärbte Heraklith-Platten, durch riesige Vorhänge aus milchigem Kunststoff, "Göppinger plastics", gefiltertes Licht, an Eisengestängen vor der Wand befestigte Gemälde - all das ist ein Wunder der Improvisation und ein Glanzstück moderner Ausstellungsarchitektur. Das Fragmentarische des Gebäudes verbindet sich mit dem Fragmentarischen der zeitgenössischen Kunst zu einem Spiegelbild der als chaotisch empfundenen Nachkriegsära.

Documenta 1: Highlight & Fakten

 

Wilhelm Lehmbrucks "Kniende" von 1911, 1937 in der nationalsozialistischen Propagandaschau "Entartete Kunst" als Beleg für die angebliche Minderwertigkeit der modernen Kunst gezeigt, wurde in der "Rotunde" des Fridericianum nun als Beleg für den Sinneswandel einer ganzen Gesellschaft gezeigt.

Laufzeit: 15. Juli bis 18. September 1955

Künstlerische Leitung: Arnold Bode

Ausstellungsort: Museum Fridericianum

Teilnehmer: 148

Anzahl der Werke: 670

Budget: 379 000 DM

Besucher: 130 000

Eintrittspreise: 1 Tag: 1,50 DM, ermäßigt 0,50 DM, Dauerkarte: 5 DM, Gruppe: 1 DM/Person

Katalog: Prestel-Verlag, München (Reprint 1995)

Documenta 14
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