Große Daniel-Richter-Schau in Wien

Bilder die niemanden kalt lassen

Seine neue Schau heisst "Lonely Old Slogans". Die alte Leier muss man bei Daniel Richter aber nicht befürchte. Die Bilder sind aktueller denn je, zum Beispiel "Tarifa", ein Werk aus dem Jahr 2001 das Bootsflüchtlinge zeigt.

Ein am Boden liegendes Pferd wird von zwei Männern erschlagen und zerstückelt. Der Titel des großformatigen Bildes von Daniel Richter aus dem Jahr 2001: "Das Recht". Das Pferd solle den braunen Nazi-Gaul symbolisieren, sagt der Kurator des 21er Hauses in Wien, Axel Köhne.

18907
Strecken Teaser

Und Richter selbst sagt: Er habe einen empörenden Vorgang wie das Schlachten eines Pferdes so übertitelt, um auszudrücken: "Dass das, was sie tun, das Richtige ist." Die große Daniel-Richter-Schau mit ihren 52 Werken aus allen Schaffensperioden werde niemanden kalt lassen, versprach die neue Museumschefin Stella Rollig am Donnerstag bei der Präsentation. Über kurz oder lang werde sich jeder Betrachter in "intensiven Diskussionen über Politik und gesellschaftliche Fragen wiederfinden".

Der 54-jährige Richter, der als einer der wichtigsten deutschen Maler seiner Generation gilt, wird vor allem mit einem Bild verbunden: "Tarifa" von 2001. Damals malte er schon Bootsflüchtlinge vor der spanischen Küste, als das Thema trotz der ersten Toten noch niemanden wirklich interessierte. In der Schau "Lonely Old Slogans" (3. Februar bis 5. Juni), nach dem gleichnamigen Titel eines anderen bekannten Motivs von ihm, wird die Vielfalt des Werks des in Eutin geborenen Künstlers deutlich. Im traumhaft-alptraumhaften "Gonzo" (2015) sieht mancher vielleicht Edvard Munchs "Schrei". Märchenhaft-schemenhaft kommt das Waldbild "Küss' die Schlampe, Flagge" (2015) daher.

Richter lebt in Berlin und Wien. Hier hat er seit zehn Jahren eine Professur an der Akademie für Bildende Künste. Vor seiner Karriere gehörte er zur linksautonomen Hamburger Punk-Szene.

18807
Bild & Text Teaser
Ich kann nicht jeden Tag erhaben sein!
Zum zweiten Mal entwirft Daniel Richter für die Salzburger Festspiele ein Bühnenbild. art sprach mit ihm über die Macht der Oper und seinen Umzug nach Berlin