Nude Visions

München



FREUDEN DER FREIKÖRPERKULTUR

Nackte Haut in München – die Fotosammlung des Münchner Stadtmuseums zeigt in der Ausstellung "Nude Visions" knapp 200 Werke aus 150 Jahren Aktfotografie.
// BIRGIT SONNA, MÜNCHEN

In München liefen Presse und Obrigkeit in der Vergangenheit gerne Sturm, wenn nach deren sittlichem Empfinden zu viel nackte Haut in fotografischer Form zelebriert wurde. Geschwärzte Seiten in Katalogen, von Oberbürgermeister Christian Ude konfiszierte Einladungskarten, Schlagzeilen in den Boulevard-Zeitungen, all das kennt man in der süddeutschen Metropole als Resonanz auf Aktausstellungen der letzten 20 Jahre.

Obwohl die Fotosammlung des Münchner Stadtmuseums schon einmal wegen einer etwas freizügig beworbenen Ausstellung zu dem französischen Fotografenduo Pierre & Gilles 1997 empfindlich aneckte, wagt sich die Institution erneut an die lange lokalpolitisch durchaus skandalös behandelte Aktfotografie. Unter dem Titel "Nude Visions" wird der 150 Jahre währenden Geschichte der "Körperbilder in der Fotografie" gedacht. Das Thema ist allerdings so klassisch aufbereitet – angefangen von den malerisch weichgezeichneten Fotografien des 19. Jahrhunderts (Piktoralismus) bis hin zu der Neuen Sachlichkeit (Germaine Krull) – , dass die Bedenkenträger diesmal von Amts wegen vermutlich nicht eingreifen werden.

Aus den eigenen auf dem Gebiet sehr reichen Sammlungsbeständen bestückt, gelingt dennoch der eine oder andere pikante Einschub. Und es tauchen auch so wunderbare Entdeckungen wie etwa ein fotografischer Urheber namens Johann Josef Blitz auf. Der Münchner Maler kaprizierte sich um 1915 darauf, seine biblischen Themen von weitgehend entblößten Laiendarstellern vorstellen zu lassen, fotografierte die Pietà- und Grablegungsszenen im Anschluss als "Tableaux Vivants" und damit als Anschauungsmaterial für seine Gemälde. Chronologisch wird die Entwicklung der Aktfotografie bis hin zu Juergen Tellers Selbstporträts und dessen ungeschminkt hinter dem Laufsteg aufgenommenen Models verfolgt. Daneben erlauben erzählerische Kapitel einen Abstecher in die Freuden der Freikörperkultur und den vorzüglich homoerotischen Blick auf den Akt des Mannes.

Experimentelle Techniken wie etwa die Solarisation und Doppelbelichtungen hätten der Aktfotografie einen Großteil ihrer Erotik und damit Anrüchigkeit entzogen, sagt Rudolf Scheutle, der neben Fotomuseum-Direktor Ulrich Pohlmann die Ausstellung kuratiert hat. Erst durch die Studentenrevolte kam das fotografische Körperbild dann wieder zu sich selbst. Nach 1968 war München dank des selbstverständlichen FKK-Milieus im Englischen Garten, Zeitschriften wie "twen" und Starlets wie Uschi Obermaier eine Weile aktmäßig auf der Höhe der Zeit. Die Sittenwacht hatte hier kaum Chancen.

"Nude Visions"

Termin: bis 13. September, Stadtmuseum München, St.-Jakobs-Platz 1, zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit 220 Abbildungen, Kehrer Verlag, 39,90 Euro

http://www.stadtmuseum-online.de

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2 Leserkommentare vorhanden

Clmz

14:08

27 / 05 / 09 // 

Kraft durch Freude!

Ist die Anlehnung der Überschrift beabsichtigt, in diesem Fall herzliches Beileid an den Verfasser - oder einfach nur nichtssagend einfallslos?

* Alain

15:28

27 / 05 / 09 // 

Neue Überschrift...

Vielen Dank für die Anregung – wir haben die Überschrift geändert...

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