Gerhard Richter in Köln

Rätsel, Rätsel, Richter

Mit 85 Jahren arbeitet Gerhard Richter noch fast jeden Tag. In Köln kann man jetzt die Früchte seines Schaffens besichtigen: 26 "Neue Bilder", frisch aus dem Atelier.
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Gerhard Richter: "Abstraktes Bild (946-3)", 2016, Öl auf Leinwand, 175 x 250 cm

Es ist noch gar nicht lange her, da hat Gerhard Richter im Museum Ludwig in Köln angerufen und gesagt: "Ich hab' neue Bilder." Falls Interesse bestehe, könne man die zeigen. Interesse bestand. Und so öffnet jetzt am Donnerstag (9. Februar) die Ausstellung "Neue Bilder". Passend zu Richters 85. Geburtstag an eben diesem Tag.

Eine richtige kleine Werkübersicht ist es dadurch geworden, dass das Museum die 26 neuen Bilder um 30 weitere Arbeiten aus der ständigen Sammlung erweitert hat. Die Anordnung hat Richter selbst vorgenommen, und sie ist sehr überraschend. Die Bilder hängen viel dichter beieinander, als man es gewohnt ist, und einen berühmten Zyklus von 48 Porträts deutscher Geistesgrößen hat er sogar um die Ecke gehängt. Das wäre wirklich ein Affront, wenn's jemand anders als er selbst machen würde. Übrigens ist unter den 48 Geistesgrößen - ein Werk von 1971/72 - keine einzige Frau. Dazu sagt der Künstler: Ein Frauenkopf hätte in seiner Andersartigkeit die Bildsequenz zerstört. Nunja...

Der Direktor der Berliner Nationalgalerie wollte Richters "Ema" einst nicht haben

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Gerhard Richter: "Ema (Akt auf einer Treppe)", 1966, Öl auf Leinwand, 200 x 130 cm

Für einen kleinen Raum hat Richter sehr merkwürdige Fotos von Anfang der 90er Jahre ausgegraben. Sie zeigen schemenhaft ihn selbst mit nacktem Oberkörper im Atelier. Dazu hat er noch ein Kreuz und einen Spiegel dazugehängt. Was das soll? Weiß im Museum auch niemand. Und den Künstler selbst darf man das nicht fragen, der zuckt bei sowas nur mit den Schultern.

Dann ist da noch "Ema", die schöne Nackte, Richters erste Frau, die der Direktor der Berliner Nationalgalerie einst nicht haben wollte. Heute ist das Werk so wertvoll, dass es nur unter Panzerglas gezeigt wird. Dumm gelaufen. Daneben zwei große Spiegel mit dunkelgrauem Untergrund.

Rätsel, rätsel... was kann das nun wieder bedeuten? Vermutlich geht es in die Richtung: Jeder Betrachter sieht in diesem "Bild" zwangsläufig etwas anderes, nämlich sich selbst. Übrigens hat das Museum den Doppel-Spiegel gerade von Richter geschenkt bekommen. Bezahlen könnte es ihn nie.

Gerhard Richter pinselt, spachtelt, kratzt und rakelt.

Kern der Ausstellung sind natürlich die neuen Bilder. Sie sind alle abstrakt und sehr farbig, haben aber ganz unterschiedliche Formate. Die größten nähmen zuhause eine ganze Wohnzimmerwand ein, die kleinsten würden noch ins Kücheneck passen.

Gerhard Richter fotografiert von Lothar Wolleh, 1970
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Schon seit längerer Zeit setzt Richter seinen Bildern mächtig zu: Er pinselt, spachtelt, kratzt und rakelt. Zieht also einen großen Schieber über das Bild und verwischt dadurch die Farbe. Was dabei am Ende rauskommt, ist zum großen Teil Zufall. Anschließend lässt Richter das Bild wochenlang im Atelier hängen, bevor er entscheidet, ob er's behält oder kleinhackt.

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Gerhard Richter: "Krieg", 1981, Öl auf Leinwand, 200 x 320 cm

Ein Blick auf das ebenfalls ausgestellte Werk "Krieg" von 1981 macht deutlich, wie sich sein abstrakter Stil in den letzten 30, 40 Jahren verändert hat. Im "Krieg" sieht man förmlich die Raketen fliegen - "Star Wars" bei Richter. So explizit würde er es heute auf keinen Fall mehr machen.

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Bei den "Neuen Bildern" muss jeder selbst entscheiden, was er darin sehen will - Richter drängt nichts auf. Er hat deshalb auch auf eine Pressekonferenz und offizielle Eröffnung verzichtet. Denn dann käme ja unter Garantie die Aufforderung, er solle das doch mal erklären. Und wenn das Geburtstagskind eines hasst, dann ist es das.

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