Klassiker neu interpretiert

Lego da Vinci

Ob Frida Kahlo, Leonardo da Vinci oder Sandro Boticelli – ein italienischer Künstler schafft neue Versionen berühmter Porträts der Kunstgeschichte – im Stile von Lego Figuren. Im Interview spricht Stefano Bolcato über die besonderen Herausforderungen dieser Technik, seine Vorbilder und warum die "Mona Lisa" das nächste Bild werden könnte.
Lego da Vinci

Stefano Bolcatos Lego-Version von Frida Kahlos "Selbstbildnis mit Dornenhalsband", 1940

Sie malen bekannte Porträts der Kunstgeschichte im Stile von Spielzeug-Figuren. Wie gehen Sie bei dieser "Legoisierung" vor?

Für eine neues Werk baue ich mir erst ein kleines Modell auf dem Tisch in meinem Atelier, ähnlich einer Szene in einem Theaterstück. Dafür versuche ich, all die Elemente und das passende Licht zu finden, um die spezielle Atmosphäre zu erzeugen. Dann mache ich viele digitale Fotos und wähle daraus das beste als Vorlage aus.

Die meisten Arbeiten aus der Serie "People" sind Renaissance-Werke. Warum?

Ich mag es, den Kontrast einer alten Maltechnik und einem äußerst populären Spielzeug zu betonen. Meine Werke sind alle Öl auf Leinwand. Das ist mein Tribut an die großen Meister der Kunstgeschichte, ein Zeichen der Dankbarkeit für diese wundervollen Kunstwerke. Die Idee für das Projekt entstand übrigens bei einem Treffen mit meinem Freund Giuseppe Ariano, der Kurator am Museo Archeologico Proviciale in Salerno ist. Wir teilen die Leidenschaft für Kunst und unser kulturelles Erbe.

Wie entscheiden Sie, welches Gemälde sie übertragen?

Die Wahl fiel auf einige der bekanntesten Werke der Kunstgeschichte. Eines der Ziele von "People" ist es, ein möglichst großes Publikum und vor allem Kinder und Familien zu erreichen. Die Werke wurden schließlich auch im Museo Archeologico Proviciale in Salerno ausgestellt, also einem öffentlichen Ort. Die Bilder werden dort zwischen antiken Vasen, Statuen und Schmuck präsentiert. Es hat viel Spaß gemacht, mit den Kuratoren der Ausstellung Bezüge zu den alten Objekten herzustellen.

Was mögen Sie an der Lego-Ästehtik?

Lego ist Teil meiner Kindheit. Als ich klein war baute ich damit viele bunte Autos, Häuser, ganze Phantasie-Städte. Ich mag diese bunte Welt und benutze jetzt diesen Stil, den ja alle erkennen, um Inhalte zu transportieren, die mir wichtig sind. Ein neues Gemälde zu erschaffen, inspiriert von Leonardo da Vinci, Frida Kahlo und anderen großartigen Künstlern, ist eine Möglichkeit, die Bedeutung von Kunstgeschichte und unserem kulturellem Erbe zu thematisieren.

Was ist der schwierigste Teil ihrer Arbeit?
 
Bei den Bildern der "People"-Serie ist es wirklich der Malprozess. Es ist sehr kompliziert, die richtige Balance zwischen der Vorlage und der Lego-Optik zu finden. Das Ergebnis soll einfach wirklich originell und neuartig aussehen. Mein Ziel ist es, scheinbar weit voneinander entfernte Welten zusammenzuführen. Das funktioniert nur, wenn man jeweils einige fundamentale Elemente und Referenzen beibehält.

Lego da Vinci

Stefano Bolcatos Version von Piero della Francescas Doppelbildnis des Herzogspaares von Urbino "Diptychon des Federico da Montefeltro mit seiner Gattin Battista Sforza", 1472/73

Malen Sie lieber die Figuren oder die Hintergründe?

Ich habe vor 30 Jahren angefangen zu malen. Lange Zeit arbeitete ich an Landschaftsbildern und Porträts, heute auch noch. Ich mag es, beide Elemente auf einer Leinwand zu vereinen, da habe ich keine Vorlieben.

Aber ein Lieblingsbild der "People" haben Sie schon?

Jedes Bild hat seine eigene Bedeutung und Wichtigkeit. Ich kann aber sagen, dass ich die Porträts von Piero della Francesca für die Qualität seiner Malerei enorm schätze. Das Porträt von Herzog von Urbino, Federico da Montefeltro, einer der wichtigsten Förderer der Reanissance-Kunst, mit diesem prägnantem Gesicht und der großen Nase, ist eine perfekte Vorlage für eine Lego-Version.

Und was ist ihr absolutes Lieblingsporträt der Kunstgeschichte?

Da gibt es so viele: Porträts von Caravaggio, da Messina, Dürer, Ingres, Tintoretto, Rubens und so weiter. Die größte Herausforderung als Lego-Version wären aber die Augen der Mona Lisa. Das könnte das nächste Bild werden. Vielleicht.