Varusschlacht

Drei Ausstellungen



ALS DIE RÖMER FRECH GEWORDEN ...

Drei Ausstellungen in Haltern am See, in Kalkriese und in Detmold widmen sich der für die Römer vernichtenden "Varusschlacht" vor exakt 2000 Jahren
// PETRA BOSETTI

"Als die Römer frech geworden, zogen sie nach Deutschlands Norden", so beginnt ein Spottlied von Joseph Viktor von Scheffel (1826 bis 1886), der ein aus römischer Sicht unerhörtes Ereignis durch den Kakao zieht: Im Jahr 9 nach Christus kriegten die siegesgewohnten Römer im kühlen Norden schwer eins aufs Haupt. Ein aus ihrer Sicht barbarischer Feldherr namens Hermann (Arminius) brachte den vom Befehlshaber Publius Quinctilius Varus geleiteten Legionen eine vernichtende Niederlage bei, woraufhin den Römern die Lust verging, sich die rechtsrheinischen Gebiete bis zur Elbe einzuverleiben. Die Schlacht soll im Osnabrücker Land stattgefunden haben – drei Ausstellungen in Haltern am See, in Kalkriese und in Detmold haben nun diesen historischen Vorgang zum Inhalt: "Imperium, Konflikt, Mythos. 2000 Jahre Varusschlacht".

Im Römermuseum in Haltern, Ort römischer Militärlager, wird Kulturgeschichte und Mentalität Roms unter dem Titel "Imperium" beleuchtet. Die römischen Militäranlagen von Haltern gehören zu den wichtigsten und am besten erforschten Komplexen des Imperium Romanum zur Zeit des Augustus. Im Jahr 9 nach Christus hatte das Römische Reich eine Ausdehnung wie nie zuvor, eine rechtsrheinische Provinz Germanien war zum Greifen nahe und Haltern für diese als Verwaltungs- und Militärzentrum vorgesehen. Vor diesem Hintergrund wird sich das Römermuseum dem Imperium auf dem Höhepunkt seiner Macht zuwenden, der Kunst, Kultur und Propaganda zur Zeit des römischen Kaisers Augustus. Die politischen und militärischen Folgen der Varusschlacht für die antike Welt im Allgemeinen und die römische Außenpolitik im Besonderen werden dabei ebenso nachgezeichnet, wie Schauplätze und Lebensweg des namensgebenden Protagonisten der Schlacht: Publius Quinctilius Varus.

Im Museum und Park Kalkriese, wahrscheinlicher Schauplatz der Schlacht, arbeitet eine Ausstellung unter dem Titel "Konflikt" Ursachen und Folgen kriegerischer Auseinandersetzungen auf. Sie zeichnet mit einer Vielzahl von Funden den Weg der Germanen an die Spitze der Macht im alten Europa nach und zeigt die Gründe für ihren Erfolg auf. Warum gerade Krieg für sie das Erfolgsrezept war, ist nur zu begreifen, wenn man wesentliche Grundzüge der germanischen Gesellschaft versteht. Die Ausstellung beantwortet mit ihrer Zusammenstellung der vielen Fundstücke die zentrale Frage beantworten: Warum Krieg?

Im Lippischen Landesmuseum Detmold sind unter der Überschrift "Mythos" die Auswirkungen der Schlacht auf die europäische Geschichte nachzuvollziehen. Unweit des Lippischen Landesmuseums Detmold steht mit dem 1875 eingeweihten Hermannsdenkmal das wohl imposanteste Zeugnis zum Mythos um Arminius, die Germanen und die Varusschlacht. Die Ausstellung "Mythos" wird einen Bogen spannen von der römischen Geschichtsschreibung bis zur modernen Forschung und aufzeigen, welche Auswirkungen die Varusschlacht auf die deutsche und europäische Geschichte und Kunstgeschichte hatte.

"Imperium, Konflikt, Mythos. 2000 Jahre Varusschlacht"

Termine: Haltern 16. Mai bis 11. Oktober, Kalkriese und Detmold 15. Mai bis 25. Oktober. Katalog: Theiss Verlag, drei Bde 59,90 Euro, im Buchhandel 79,90 Euro (bis 31. Dezember 2009), danach 99,90 Euro.

http://www.imperium-konflikt-mythos.de

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