Paul Nash in London

Traum, Krieg und Landschaft

In seinen Bildern vom Ersten Weltkrieg beklagte Paul Nash die willkürliche Vergeudung menschlichen Lebens. Später bewahrte er die surreale und mystische Seele der britischen Malerei des 20. Jahrhunderts. In einem seiner letzten Werke findet man nur Zerstörung und Trauer.
Traum, Krieg und Landschaft

Eines der ersten großen Werke von Paul Nash: "We Are Making a New World", 1918

Ein menschenleeres Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs. Von Granaten aufgewühlte schmutzig grüne Erde, ein Wald zerschossener Bäume. Am Horizont kündigen blutrote Wolken und eine fast abstoßend weiße Sonne den Morgen an. Man spürt die Kälte und Trostlosigkeit.

Paul Nashs wohl berühmtestes Werk trägt den spöttisch-zynischen Titel "We Are Making a New World" (1918). Von einer neuen Welt, die entstehen soll, kann keine Rede sein, hier ist alles Zerstörung. Der Zorn des 29-jährigen Malers, der als vom britischen Kriegsministerium angestellter offizieller Kriegskünstler in Flandern diente, ist greifbar. Sentimentalität ist ihm ebenso fremd wie Patriotismus, anhand der Gewalt, die der Mensch der Natur antut, beklagt er die willkürliche Vergeudung menschlichen Lebens. "Möge die bittere Wahrheit meiner Botschaft die ekelhaften Seelen derjenigen verbrennen, für die der Krieg ewig dauern soll", schrieb er in einem Brief von der Front.

Erstaunlich ist auch, dass dieses so vollendete Gemälde eines seiner ersten großen Werke ist. Noch ist seine Kunst eher dem Expressionismus und Kubismus verpflichtet, dem Surrealismus wandte er sich dann, nach einem vorübergehenden Ausflug zur Abstraktion, in den dreißiger Jahren zu, gemeinsam mit Künstlern wie Henry Moore und Edward Wadsworth, mit denen er sich zur Gruppe Unit One zusammenschloss und deren Arbeiten in der Ausstellung der Tate Britain zum Vergleich gezeigt werden.

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Paul Nash gilt auch als einer der wichtigsten britischen Landschaftsmaler des 20. Jahrhunderts

Die weitgehend chronologische Schau vermittelt ein umfassendes Bild des Künstlers, von den frühen, noch von Präraffaeliten und dem Symbolismus beeinflussten Zeichnungen und Aquarellen des Studenten der Londoner Slade School Of Fine Art bis zu seinen mysteriösen Landschaften.

Nash gilt als einer der wichtigsten britischen Landschaftsmaler des 20. Jahrhunderts. Doch seine hauptsächlich südenglischen Landschaften haben nichts von der oft penetranten ländlichen Idylle anderer Künstler jener Zeit. Die Geometrie einer Arbeit wie "The Rye Marshes" (1932) lässt das ebenso wenig zu wie der fast mythisch anmutende, ganz neue Blick auf den Steinkreis von Avebury, "Equivalents for the Megaliths" (1935). Auch Fundstücke wie Treibholz oder Steine nahm er in seine Landschaften auf und zauberte aus ihnen außerdem surrealistische Assemblagen, die er dann auch fotografierte. In dem 1937 verfassten Essay "Das Leben des unbelebten Objekts" erläuterte er die Bedeutung dieser Objekte für seine Kunst.

Eines der letzten Werke der Schau ist "Totes Meer" (1940/41), ein makaberer Friedhof im Zweiten Weltkrieg abgeschossener deutscher Bomber, deren durchlöcherte Tragflächen in den Himmel ragen. Erneut hielt Nash als Kriegskünstler fest, was er sah, erneut keine Spur von Sentimentalität, auch patriotistische Häme sucht man vergebens, nur Zerstörung und Trauer.

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