Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely

Künstlerliebe

Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely waren eines der spannendsten Paare der Kunstgeschichte. Aber nicht nur ihr Leben und ihre Werke, auch die von ihnen gestalteten Ausstellungsplakate waren unkonventionell, wie eine Schau in Oldenburg zeigt

Ihre letzte große Werkserie widmete sie ihm: Niki de Saint Phalles 1995 entstandenen "Explodierenden Bilder" sind Zeugen einer Jahrzehnte lang dauernden Freundschaft, Liebe und Zusammenarbeit zwischen zwei aussergewöhnlichen Persönlichkeiten, die mit Jean Tinguelys Tod im Jahr 1991 abrupt endete.

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Dabei könnten nicht nur ihre Werke unterschiedlicher kaum sein – während Jean Tinguelys lärmende Metall-Konstruktionen oft spröde und unzugänglich wirken, strahlen Niki de Saint Phalles grellbunte Kunststoffskulpturen die pure Lebenfreude aus – auch ihre Herkunft – hier Saint Phalle, das Kind aus französischem Landadel – dort Tinguely, der schweizer Anarchist – könnte nicht gegensätzlicher sein. Und trotzdem sollten die beiden seit ihrem ersten Zusammentreffen im Jahr 1955 – auch wenn sie erst 1971 heirateten – eine Gemeinschaft eingehen, die Kunstgeschichte schrieb.

Nicht nur privat, vor allem künstlerisch beflügelten sich die beiden Künstler. Inspiriert von dem kreativen Chaos in Tinguelys Atelier trat Saint Phalle in die Gruppe der Nouveaux Realistes ein, die der Schweizer zusammen mit Yves Klein und anderen im Jahr 1960 gegründet hatte und begann bald darauf mit ihren ersten Happenings, etwa den legendären "Schießbildern". 1966 sorgten die beiden dann im Stockholmer Moderna Museet mit einer begehbaren Riesen-Nana für Furore – die üppige Frauenfigur sollte von da an Niki de Saint Phalles gesamtes weiteres Schaffen begleiten.

Männermord und Frauenpower
Für ihre Schießbilder feuerte sie mit scharfer Munition auf die Symbole der Männerwelt und entwarf mit den tanzenden "Nanas" ein Gegenprogramm voll praller Lebensfreude: Frauen sind einfach stärker

Ein besonderes Monument ihrer Liebe ist "Le Cyclope", eine gigantische, 300 Tonnen schwere Skuptur auf einer Lichtung bei Fontainebleu, die die beiden seit 1969 zusammen mit zahlreichen anderen Künstlern realisierten und die erst nach Tinguelys Tod eingeweiht werden konnte. Im Horst-Janssen-Museum in Oldenburg zeugen nun rund hundert Plakate von allen Facetten ihrer langjährigen Zusammenarbeit.

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Niki de Saint Phalle
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