Fotografie und Malerei

Ganz schön modern

Der Einsatz von Fotografie passt nicht wirklich in unsere Vorstellung vom malenden Genie. Dennoch nutzten Gustav Klimt, Franz von Stuck und Hans Makart das damals neue Medium exzessiv und experimentell.

Gleich zwei Ausstellungen im Unteren Belvedere beleuchten im wahrsten Sinn eine bislang absichtlich im Dunkeln gelassene Seite der Maler um 1900. Der Einsatz von Fotografie passte einfach lange nicht in unsere Vorstellung vom malenden Genie. Dennoch nutzten sowohl Franz von Stuck (1863 bis 1928) als auch Hans Makart (1840 bis 1884) oder Gustav Klimt (1862 bis 1918) exzessiv und experimentell das damals noch relativ neue Medium.

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1839 erfunden, brachte die Fotografie zwar die klassischen Porträtmaler in Bedrängnis, die meisten aber erkannten bald den äußerst praktischen Nutzen: Die Modelle mussten nicht mehr stundenlang in starren Posen verharren, die eigenen Gemälde konnten billig reproduziert und verbreitet werden. Die Wiener Fotografiekoryphäe Monika Faber erkundet in der Ausstellung "Inspiration Fotografie" in der Orangerie des Unteren Belvedere den Umgang der Wiener Malerelite von Historismus bis Secession mit dem neuen Medium. Gleich nebenan widmet Belvedere-Kurator Alexander Klee einem der Vorbilder der Wiener Secessionisten eine große Einzelschau: dem Münchner Symbolisten Franz von Stuck. Auch er nutzte die Fotografie für seine Malerei, etwa als Vorlage für seine Landschaften.

Um beispielsweise ein Foto des hohen Horizonts zu erzielen, legte er die Kamera einfach direkt auf einen Feldweg. Mit solchen Methoden machte er Eindruck, auch auf die Wiener Kollegen. In der Donaumetropole war der damals noch junge Künstler aus München ohnehin bekannt. Was vor allem auf seine Beteiligung an einem der großen Bücherbestseller seiner Zeit zurückzuführen ist: den "Allegorien und Emblemen", 1882 herausgegeben vom Wiener Verlag Gerlach & Schenk. Mit Verleger Martin Gerlach war von Stuck "engstens" befreundet, und 1892 fand sogar die bis dato größte Einzelausstellung des Deutschen nicht in seiner Heimat, sondern im Wiener Künstlerhaus statt – "eine Wahnsinnswerbung", so Kurator Klee, "und natürlich kurios".

Wien im Goldrausch
Zu nackt, zu freizügig, zu erotisch – um 1900 schockte Gustav Klimt das prüde Wien. Der geniale Porträtist vollzog die Wende vom Historismus zum Jugendstil, sein Werk ist bis heute in aller Munde

Neben dem Erfolgsbuch aus den Anfangsjahren sind in der aktuellen Ausstellung auch Hauptwerke des Malerfürsten vertreten wie etwa der "Wächter des Paradieses" (1889) aus der Villa Stuck in München oder die dramatische "Pieta" (1891) aus dem Frankfurter Städel. Wie souverän der Künstler die Fotografie für seine Porträtmalerei einsetzte, belegt unter anderem die Gegenüberstellung des Bildes "Tilla Durieux als Circe" (um 1913) mit dem als Vorlage dienenden Foto der österreichischen Schauspielerin, das entweder von Stuck selbst oder seine Frau Mary aufgenommen hat. Das Sichtbarmachen des Arbeitsprozesses ist eines der Hauptanliegen von Kurator Klee: Von der Gedankenskizze, dem daraus resultierenden Foto, in das der Maler oft hineinzeichnete, der danach entstehenden Ölskizze bis zum ausgeführten Ölbild. Ganz schön modern für einen oft als "schwülstigen Salonmaler" bezeichneten Künstler.

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Gustav Klimt, der Kuss
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