Nathalie du Pasquier in Wien

Laute Stillleben

Sie war das Memphis-Design-Girl – ihre Muster und Entwürfe für die ikonische Möbelfirma wurden weltberühmt. Als Künstlerin allerdings ist Nathalie du Pasquier bis heute unterschätzt.

Sie war das Memphis-Design-Girl. Als Ettore Sottsass 1980 das verrückt-bunte Design-Kollektiv in Mailand aus der Taufe hob, war Nathalie Du Pasquier mit 23 Jahren das jüngste und eines der wenigen weiblichen Gründungsmitglieder. "Form follows fun" war das ausgegebene Motto, und die Französin folgte: Du Pasquier war vor allem für die Muster zuständig, für Stoffe, Laminate, Teppiche, die "dekorierte Oberfläche", wie sie es selbst nennt.

Bis 1986 definierte sie sich als Designerin, dann konzentrierte sie sich auf ihre rein künstlerische Arbeit. Die Kunsthalle Wien zeigt jetzt die erste große Retrospektive der mittlerweile fast 60-Jährigen in Österreich. Zu verdanken ist die Schau wohl dem italienischstämmigen Kunsthallen-Kurator Luca Lo Pinto. Denn so bekannt Nathalie Du Pasquier als Memphis-Designerin war, so wenig bekannt ist sie seither einer breiteren Öffentlichkeit als Künstlerin. Was durchaus beabsichtigt ist, wie Lo Pinto meint. Du Pasquier lebe in einer Art Gegenwelt, den Kunstmarkt und seine Anforderungen an Spektakel und sozialen Auftritten finde sie wenig ernsthaft. Und Du Pasquier arbeitet sehr ernsthaft seit mehreren Jahrzehnten an einem auf den ersten Blick ziemlich unspektakulären Thema: dem Stillleben.

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Sie sah alle möglichen Kunstrichtungen, ob Abstrakten Expressionismus, Konzeptkunst oder Pop Art, an sich vorbeiziehen – und zeigte sich wenig beeindruckt. Stattdessen entwickelte Alice Neel ihren eigenen Stil

Dafür habe sie ein "ganz eigenes Alphabet" entwickelt, so Lo Pinto. Erst waren es eher surrealistische Arrangements, dann malte sie reale Alltagsgegenstände, immer etwas vergrößert im Maßstab, in ihrer Schlichtheit ganz in der Tradition von Giorgio Morandi stehend. Vor einigen Jahren aber ging sie einen Schritt weiter, schuf sich ihre "Dinge" selbst: Es sind unter anderem gefundene Holzstücke, die sie farbig fasst, in Gruppen arrangiert, um sie schließlich in ihrer typisch flachen, präzisen, unaufgeregten Weise zu malen. Die "Konstruktionen" für ihre Bilder bleiben manchmal als eigenständige Werke bestehen, die meisten verschwinden wieder. Was Lo Pinto an die Arbeits- weise von Thomas Demand erinnert.

So ungewöhnlich wie Du Pasquiers "immer ein wenig unterschätzte Kunst", so ungewöhnlich ist auch das Konzept der Wiener Ausstellung: Sie soll funktionieren wie ein Haus mit mehreren Zimmern, in denen bunt gemischt Bilder, Design-Entwürfe, Konstruktionen eher assoziativ ausgewählt auf den durchwandernden Besucher warten – jedes ein Stillleben für sich.

Zur Ausstellung erscheint ein zweibändiger Katalog bei Sternberg Press.

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Themenseite Zeitgenössische Kunst
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