Stau bei Christos »Floating Piers«

Geduld ist gefragt

Das Interesse an den »Floating Piers« auf dem Iseo-See in Norditalien ist ungebrochen, Besucher müssen teils lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Und für das Wochenende kündigt sich erneut schlechtes Wetter an.
Geduld ist gefragt

Der Besucherstrom reißt nicht ab - Christos Floating Piers sorgt nicht nur am Wasser für Staus.

Auch eine Woche nach der Eröffnung von Christos schwimmenden Stegen in Norditalien müssen Besucher der riesigen Installation eine Menge Geduld mitbringen. Nicht nur dass der Weg zum Iseo-See in der Nähe von Brescia angesichts des Besucheransturms für viele eine Herausforderung ist, für das Wochenende kündigt sich zudem wieder wechselhaftes Wetter an. Das könnte wie schon mehrfach zu einer Schließung des Kunstwerks führen. Außerdem wurden die Öffnungszeiten wie angekündigt geändert.

Christo (81) und sein Team haben drei Kilometer lange Stege vom Ort Sulzano auf die vorgelagerte Insel Monte Isola und von dort zu dem kleineren Eiland San Paolo verlegt. Sie sind aus 220 000 Schwimmwürfeln zusammengesetzt und mit einem leuchtend gelben Stoff bezogen - und sollen das Gefühl geben, über Wasser zu wandeln. Das Werk war vergangenen Samstag eröffnet worden und erlebt seitdem einen wahren Ansturm.

Nach besonders hohen Temperaturen zuletzt werde an diesem Wochenende wieder schlechteres Wetter erwartet, auch heftige Gewitter, teilten die Verantwortlichen am Freitag laut der Nachrichtenagentur Ansa mit. Daher könnte es sein, dass die "Floating Piers" vorübergehend ganz oder teilweise geschlossen würden.

Vorgesehen war ursprünglich, dass die Installation auch während der Nacht zugänglich ist. Weil aber gerade auf Monte Isola die Folgen des Besucherandrangs nachts beseitigt werden müssten, habe man gemeinsam mit den Verantwortlichen der Insel entschieden, den Zugang zu den Stegen um 22 Uhr zu schließen, bestätigten die Verantwortlichen am Freitag auf dpa-Anfrage.

Demnach müssen die Besucher nach der Schließung die Installation bis Mitternacht verlassen haben. Morgens um 6 Uhr werden die Stege dann wieder geöffnet. Auch der auf den Stegen verlegte Stoff war seit Eröffnung in Mitleidenschaft gezogen worden und musste ausgebessert werden.

Nichts geht mehr
Das gesamte Wochenende über mussten Zug- und Fährverbindungen wegen des Massenandrangs auf die schwimmenden Stege immer wieder unterbrochen werden – nun sitzen etwa 3000 Menschen am nahegelegenen Bahnhof Brescia fest

Lange Schlangen gibt es aber nicht nur vor Ort. Auch bei der Anreise ist mitunter Geduld gefragt: Insbesondere im Bahnverkehr rund um Brescia, der nächstgrößeren Stadt, ist der Andrang weiter riesig. Die zuständige Bahngesellschaft Trenord wies am Freitag vorsorglich darauf hin, dass die Strecke zu dem Kunstwerk am Iseo-See trotz einer Streikankündigung in der Region nicht betroffen sei.

In der kommenden Woche erscheint auch ein umfangreiches Buch zu dem Projekt. Es zeigt Entwürfe, Modelle und Skizzen und soll so neben der Vorstellungskraft auch den enormen Aufwand des Werks dokumentieren, wie der Taschen Verlag mitteilte.

Das neueste Projekt des 81 Jahre alten Verhüllungskünstlers war am vergangenen Samstag eröffnet worden. Bereits am ersten Tag waren 55 000 Menschen auf die Stege geströmt. Das gesamte Wochenende über mussten Zug- und Fährverbindungen immer wieder unterbrochen werden. Insgesamt werden bis zum 3. Juli bis zu einer Million Besucher erwartet. Eine offizielle Zahl zur Halbzeit gab es zunächst nicht.

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Christo
Aktuelle Berichte und Bilder von den »Floating Piers« im Iseo-See sowie alles zur Geschichte der Verhüllungskünstler Christo und Jeanne-Claude – ihr Leben, ihre Projekte