Faulhaber / Chrobok

Mister Security



EIN KÜNSTLER UNTER TERRORVERDACHT

Der deutsche Künstler Christoph Faulhaber wurde für sein Projekt "Mister Security" als Künstlerstipendiat in die USA eingeladen. Doch plötzlich ermittelte die amerikanische FBI-Behörde gegen ihn und er musste das Land wieder verlassen. In Frankfurt erklärte Faulhaber nun "wie es wirklich war".
// SANDRA DANICKE, FRANKFURT

Hinterher muss man sich ernsthaft fragen, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Alle Beteiligten wussten, worauf sie sich eingelassen hatten, und dennoch wurde Christoph Faulhaber gezwungen, das ihm vom Land Rheinland-Pfalz zugesprochene sechsmonatige New-York-Stipendium nach nur zwei Wochen abzubrechen.

Auslöser war ein Besuch des FBI, den der Künstler aufgrund seines Projektes "Mister Security" in New York erhielt. Fortan galt der 36-Jährige als Risikofaktor und musste abreisen. "Plötzlich stand ich ganz alleine da, das gesamte soziale Netz brach weg", erzählte der Künstler, als er jetzt im Verein und Atelierhaus "Basis" in Frankfurt von seinen Erlebnissen in New York und den Folgen berichtete. Titel der Veranstaltung: "Ich, wie es wirklich war".

Für das Stipendium beworben hatte sich Faulhaber ausgerechnet mit jenem Projekt, das ihm später zum Verhängnis werden sollte: Bereits 2005 hatte der Hamburger die fiktive Sicherheitsfirma "Mister Security" gegründet und war, gemeinsam mit seinem Kollegen Lukasz Chrobok, in Bomberjacke und mit Fotokamera vor deutschen und polnischen US-Botschaften und Konsulaten aufgetaucht, um – wie er behauptete –"den öffentlichen Raum zu überwachen". Die teils barschen, teils kruden Reaktionen der Polizeibeamten ("Ihre Schuhe sehen ja aus wie meine alten Arbeitsschuhe") zeichneten die Künstler unbemerkt mit einem Diktiergerät auf und veröffentlichten sie anschließend in einem Katalog.

Ziel war unter anderem, zu demonstrieren, "wie meine Rechte durch die vorwegnehmende Unterstellung, ich sei Terrorist, eingeschränkt werden". Offenbar wurden Informationen über Faulhabers Aktionen auf direktem Wege an die amerikanischen Sicherheitsbehörden weiter gereicht, denn bereits die Beschaffung des US-Visums dauerte Monate. Die nächste Hürde zeigte sich am Zielflughafen in New York, wo der Künstler am 1. September 2008 landete: "Der Pilot sagte durch, dass alle Passagiere beim Ausstieg ihre Pässe bereit halten sollten", erzählte Faulhaber. "Als ich an der Reihe war, rief ein Beamter: 'I got him, let’s go' (Ich hab ihn, lasst uns gehen)".

Obskure Faxe, Hysterie – und immer wieder das FBI

Es folgten endlose Befragungen, Faulhabers Koffer wurde durchsucht und sämtliche Dokumente darin fotokopiert. "Ich hatte Arbeitsmaterialien für ein halbes Jahr dabei, darunter befanden sich auch Zeitungsberichte über den 11. September oder über japanische Frauen, die Katzen mit Stöckelschuhen quälen", berichtet der Künstler. Als man ihm schließlich die Einreise erlaubt und die Dokumente zurückgegeben habe, hätten sich darunter plötzlich auch zwei geheime Faxschreiben amerikanischer Sicherheitsinstitutionen befunden, die sich mit seinem "Fall" befassten. Ein Versehen? Wollte man ihm etwas unterschieben? Faulhaber weiß es bis heute nicht.

Vier Tage später kamen zwei Mitarbeiter der Abteilung Counterterrorism des FBI vorbei, wieder wurden Fragen gestellt, bis die Beamten schließlich einsehen mussten, dass nun auch sie Teil des Projektes "Mister Security" geworden waren. Kurze Zeit später teilte Claire Montgomery, Direktorin des New Yorker Künstlerhauses Location One, das Faulhaber eingeladen hatte, diesem mit, er habe die Institution aus Sicherheitsgründen zu verlassen; die Zusammenarbeit war aufgekündigt, das Stipendium wurde nachträglich von der Landesstiftung entzogen, die Wohnung mit sofortiger Wirkung gekündigt.

Faulhaber, mittlerweile selbst in Panik ob all der Hysterie um ihn herum, gab die zwei obskuren Faxe in der Rechtsabteilung der Deutschen Botschaft ab; mit ihnen auszureisen traute er sich nun nicht mehr. Kopien, die er zuvor angefertigt hatte, verbrannte der geschasste Stipendiat bei einem "letzten Barbecue" im Park – nicht ohne den Inhalt, der von unzureichenden Informationen über seine Person handelte, vorher auswendig zu lernen.

Zurück in Deutschland teilte ihm Danièle Perrier, Leiterin von Schloss Balmoral und zuständig für die Vergabe der Stipendien, mit, die Grundlage für das Stipendium sei ein Vertrag mit dem Künstlerhaus Location One. Dieses wiederum habe "bei Missverhalten des Künstlers, grob fahrlässiger Haltung oder jedwedem anderen Grund" jederzeit das Recht, den Vertrag zu kündigen. Es folgte ein Nachspiel zwischen Anwälten. Faulhaber wurde eine Vergleichssumme von 7000 Euro ausgezahlt, er selbst wurde als Stipendiat von der Liste gestrichen. Ob das Geschehen für seine Kunst nicht als Glücksfall zu werten sei, wollte in Frankfurt eine Zuhörerin wissen. "So kann ich halt leider nie damit aufhören", antwortete Faulhaber lakonisch.

"Christoph Faulhaber: Ich. Wie es wirklich war"

Termin: bis 11. März, Basis Frankfurt, Gutleutstraße 8-12, Frankfurt / Main; ab 27. März, Artfinder Galerie, Hamburg

http://www.basis-frankfurt.de

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