Berlin Biennale 2016 – Timur Si-Qin

Der Produkthacker

Die 9. Berlin Biennale präsentiert vor allem Künstler der jüngeren Generation – die Digital Natives. Sie kennen die Welt nur mit Internet und produzieren aus den Ressourcen der digitalen Welt Werke, die man anfassen kann. Heute im Porträt: Timur Si-Qin.
Der Produkthacker

Timur Si-Qin in seinem Atelier in Kreuzberg. Im Hintergrund das Urban-Krankenhaus, in dem er geboren wurde.

Der Schaum, so Peter Sloterdijk, ist eine Weltmetapher. Überträgt man den Gedanken in die Kunst, dann kommt man dem universalistischen Ansatz ein Stück näher, den der 1984 in Berlin geborene Künstler Timur Si-Qin verfolgt. In den Arbeiten des Berliners, der in Peking und im Südwesten der USA aufwuchs, 2008 seinen Abschluss in bildender Kunst an der University of Arizona machte, taucht der Schaum öfters auf - in verschiedenen Zuständen. Plötzlich waren da zum Beispiel diese auf Samurai- und Ritterschwerter aufgespießten Duschgelflaschen, die in Galerieräumen und auf Kunstmessen auftauchten ("Axe-Effect", ab 2011).

Der Produkthacker

"Axe-Effect", 2013

Solche Dinge machten Si-Qin zu einem exponierten Vertreter dessen, was unter Modebegriffen wie "Post-Internet Art", "Circulationism", "Meme Art" oder "Digital Natives" seit ein paar Jahren im Netz zirkuliert. Für den Künstler sind solche Begriffe ambivalent, verstellen sie doch den Blick auf das, um was es ihm selbst geht, etwa den erweiterten Materialbegriff. "Das digitale Zeitalter hat uns gelehrt, dass digitale Materialien sich verhalten und so real sind wie physische Stoffe und umgekehrt; Material und Realität sind programmierbar: "the hackability of everything". Alles kann Material sein ­ vom aufgespießten Duschgel bis zu geschmolzenen Yogamatten. Werden Duschgel und Yogamatten hier stellvertretend als Werkzeuge der "Arbeit an sich selbst" in einen unbrauchbaren Zustand überführt? Die Spekulationen liegen beim Publikum.

Berlin Biennale 2016
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