Paul Klee in Paris

Der große Einzelkämpfer

Paul Klee ging den Alleingang: Sein vielseitiges Werk zwischen Expressionismus, Konstruktivismus und Kubismus orientierte sich an niemandem. Fast 50 Jahre nach seiner letzten Übersichtsausstellung in Frankreich ehrt das Centre Pompidou nun den großen Einzelkämpfer des 20. Jahrhunderts.
Der große Einzelkämpfer

Paul Klee: "(Jugendlicher) Schauspieler=Maske", 1924

Fast 50 Jahre nach seiner letzten Übersichtsausstellung in Frankreich ehrt das Centre Pompidou Paul Klee, den großen Einzelkämpfer des 20. Jahrhunderts. Rund 250 Arbeiten aus allen Werkphasen wurden zusammengetragen, darunter auch selten gezeigte Raritäten wie Angelus Novus oder Vorführung des Wunders, zwei Aquarelle, die einst Walter Benjamin gehörten.

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Angela Lampe, Kuratorin der Ausstellung, stellt diese unter das Stichwort "L’ironie à l’œuvre", frei übersetzt "Die Ironie am Werk". Lampe betont damit die spielerischen ­Aspekte Klees im Umgang mit den Einflüssen der Zeitgeschichte; die für Klee typische Mischung aus Humor und Distanz, aus Spiel und Tiefe soll voll zur Geltung kommen. Ein Beispiel hierfür ist das nur selten gezeigte abstrakte Aquarell "Lachende Gotik" von 1915, ausgeliehen vom New Yorker MoMa: ein hintersinniger Dialog mit dem Konstruktivismus des französischen Freundes Robert Delaunay, gleichzeitig aber auch eine Witzelei über die Versuche der Kunsthistoriker, aktuelle Positionen in die Schubladen der Geschichte einzuordnen.

Klee, 1879 geboren bei Bern in eine Musikerfamilie mit deutschem Vater und schweizerischer Mutter, entzog sich als Künstler vorschnellen Zuordnungen: Er stellte in München mit den Freunden des "Blauen Reiters" aus, in Köln mit dem "Sonderbund", 1925 auch mit den Surrealisten in Paris. Die in sieben thematisch weitgefasste und sich chronologisch überlappende Kapitel gegliederte Ausstellung setzt ein mit den "satirischen Anfängen" und einer kubistischen Phase des Malers. Es folgt das "Théâtre mécanique" nach dem Ersten Weltkrieg, mit Nähe zu Dadaismus und Surrealismus, ehe Klee dann ab 1920 am Dessauer Bauhaus lehrte.

Angelus Novus von Paul Klee
Das Zentrum Paul Klee versammelt erstmals alle Engel aus dem Werk des Malers

1931 wechselte er als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf. Nachdem ihm die Nazis fristlos gekündigt hatten, zog der Künstler sich 1933 ganz in seine Heimat Bern zurück. Von ihm, dem "Entarteten", wurden über 100 Werke aus öffentlichen deutschen Sammlungen entfernt. Zu dieser versuchten künstlerischen Vernichtung kam 1935 das Problem einer schweren Erkrankung: Klee litt an der seltenen systemischen Sklerose, die zum Zusammenbruch des Immunsystems führt. Das letzte Kapitel der Pariser Schau ist deshalb mit "Krisenjahre" betitel und steht ganz im Zeichen persönlicher und politischer Katastrophen, von Krankheit, Todesahnung, Nazi-Willkür und Zweitem Welt­krieg.

Paul Klee – Die Ironie am Werk

Die Ausstellung findet von 6. April bis 1. August 2016 im Centre Pompidou in Paris statt.