14 / 09 / 2007
Preis für junge Kunst 2007
Neue Nationalgalerie
DAS SORGENKIND DER STAATLICHEN MUSEEN
Der Preis der Nationalgalerie ist das Sorgenkind der Staatlichen Museen zu Berlin. Obwohl er nun schon zum vierten Mal vergeben wird, hat das ambitionierte Unternehmen, das vor sieben Jahren vom Verein der Freunde der Nationalgalerie ins Leben gerufen wurde, bislang nie die hohen Erwartungen erfüllen können, die in ihn gesetzt wurden. Dabei stimmt hier eigentlich alles: handverlesene Künstler unter Vierzig auf dem Weg nach oben, ein stattliches Preisgeld von 50.000 Euro, hochkarätig besetzte Jurys, professionelle Pressearbeit und eine sechswöchige Ausstellung mitten im Kunstherbst im Gegenwartsmuseum Hamburger Bahnhof mit garantierter Medienaufmerksamkeit. Trotz all dem will der Funke partout nicht überspringen.
Die Ausstellung der vier Nominierten, Jeanne Faust, Ceal Floyer, Damián Ortega und Tino Sehgal, die jetzt im Hamburger Bahnhof zu sehen ist, dürfte abermals ihren Kritikern recht geben, die, wie Heiner Bastian, ehemaliger Kurator der Sammlung Marx am Hamburger Bahnhof, die Veranstaltung aufgrund ihrer geringen Strahlkraft für verzichtbar halten und in ihr vor allem „eine schrecklich populistische Idee“ (art 05/2007) sehen.
Denn wieder wurde alles richtig gemacht und dabei jedes Risiko vermieden. Fast als Selbstironie könnte man da schon den Wettbewerbsbeitrag von Tino Sehgal interpretieren: Der gebürtige Londoner, der mit seiner flüchtigen Interaktionskunst schon auf der Biennale von Venedig oder im Hamburger Kunstverein für Verwirrung sorgte, lässt sechs gestandene Akademiker in wechselnden, gefrorenen Posen in einem ansonsten kahlen Ausstellungsraum über den Begriff des Spektakels philosophieren und reproduziert so als Teil der Ausstellung das wortreiche Sprechen über die Veranstaltung, die sich so schwer tut, ihre eigene Legitimation zu finden. Immer dann, wenn neue Besucher den Museumsraum betreten, werden sie mit einem unisono gesprochenen „Welcome to this situation“ begrüsst. Manche finden die direkte Ansprache durch das Werk so befremdlich, dass sie sich auf dem Absatz umdrehen und schnell das Weite suchen. Wer bleibt, wird Zeuge einer endlosen und zuweilen schrecklich schwurbeligen Konversation, die sich als Mitmach-Kunst geriert und ungute Erinnerungen an lahme Uniseminare weckt. Dann und wann verändern die Diskutanten gemäß einer geheimen Choreografie ihre Stellung im Raum, doch die vorherrschende zwanghafte Zwanglosigkeit bleibt wie ein schaler Geschmack im Mund.
14 / 09 / 2007
1 Leserkommentar vorhanden
Vincent
01:28
15 / 09 / 07 //
Flüchtig wie Alkohol, nur ohne Alkohol und Wirkung
Das ureigene Gespür des Hamburger Bahnhofes aus tausenden von Möglichkeiten absolut treffsicher und unmissverständlich die Leere, Belanglosigkeit und Stocknüchternheit dort zu suchen, wo sie am wenigsten zu finden ist. Jedes mal werden einem die immer gleichen Luftnummern und Tugenden besserer Kunstkursabsolventen präsentiert, die einem Zusammenhänge und interessante Interpretationsmöglichkeiten ironisch schmunzelnd mit auf den Weg geben möchten. Bitte, Bitte, Bitte, zeigt Kunst in ihrem Wahnsinn und ihrer Unberechenbarkeit Sklaven des Marktes! Die Kunst zu kurieren ist kranke Mutation für gesundes Risiko, keine gelungene Ausstellung für Interessierte!
