Cate Blanchett in Berliner Ausstellung

Hollywood trifft Avantgarde

Für ein Kunstprojekt schlüpft Hollywood-Star Cate Blanchet in die Rolle von 13 Rollen, in denen sie künstlerische Manifeste rezitiert. Von den Dadaisten bis zu den radikal-feminsitischen Schriften Valerie Solanas.
Hollywood trifft Avantgarde

Für Julian Rosefeldts "Manifesto" (2014/2015) schlüpft Cate Blanchett in 13 verscheidene Rollen.

Hinter dem schlichten Titel "Manifesto" verbirgt sich eines der spektakulärsten filmischen Kunstwerke der letzten Jahre: die Arbeit des in Berlin lebenden Julian Rosefeldt zeigt auf 13 Leinwänden Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett, die in einem Kanon von 13 grundverschiedenen Rollen künstlerische Manifeste rezitiert, die einst die Welt zu bessern versprachen.

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Mal stilsicher verlottert als Punk oder als Stadtstreicherin, mal wie aus dem Ei gepellt als Managerin oder flotte Nachrichtensprecherin erinnert der Hollywood-Star Blanchett die Welt von heute an die Weltverbesserer von gestern. Künstlerische Avantgardisten, die großenteils in Würde scheiterten – und trotzdem nicht in Vergessenheit geraten dürfen.

Die prominente Besetzung musste er nicht lange bitten.

Idee und Drehbuch zu dem Projekt stammen von Rosefeldt, der unter anderem Texte der Dadaisten, Futuristen oder Situationisten, dazu Schriften von Radikal-Feministin Valerie Solanas oder dem Bilderstürmer Georg Baselitz adaptierte. Die prominente Besetzung musste er nicht lange bitten. Denn die gelernte Theaterschauspielerin Blanchett wollte unbedingt einmal mit dem 1965 in München geborenen Künstler zusammenarbeiten, nachdem sie sich eher zufällig in eine von Rosefeldts Ausstellungen verirrt hatte. Dort bewunderte sie dessen hintersinnige und humorvolle Kunst filmischer Inszenierung, mit der er seit Jahren gesellschaftliche Fragen auf die ästhetische Bühne hievt - und dabei nie das Genrekino aus den Augen verliert: Egal, ob als Science-Fiction oder Melodram, beim Western wie in "American Night" (2009) oder beim surrealistischen Schwarzweißfilm wie "Deep Gold" (2013/14), der eine Episode aus "L’ Âge d’Or" von Luis Buñuel und Salvador Dalí aufgreift und weitererzählt.

Rosefeldts wunderbare Welt des Scheiterns
Mit Slapstickhumor und lakonischem Blick umkreist Julian Rosefeldt die Problemzonen des Lebens. Und spielt jetzt sogar im neuen Film von Tom Tykwer eine nicht unwichtige Nebenrolle

Im Museum Hamburger Bahnhof in Berlin wird nun seine grandiose Filminstallation "Manifesto" (2014/15) gezeigt, die mit den aufwendigen Kostümen und verschiedensten Bühnenbildern – von Tanzpalästen und Friedhöfen bis zu postapokalyptischen Monumentalbauten reicht die Auswahl der Kulissen – wie die Quersumme aller rosefeldtschen Kinoliebe wirkt.

Mit der großen Cate Blanchett hat Rosefeldt zudem seine perfekte Interpretin gefunden. In nur zweiwöchigen Dreharbeiten in und um Berlin wechselte sie täglich Rollenidentität und Text, während Rosefeldt seine mobile Kamera um sie herum wirbeln ließ. Ein logistischer Kraftakt – und der Beweis, dass bildende Kunst technisch durchaus Hollywood-Standard erreichen kann. Und künstlerisch viel mehr.