Fleetinsel - Galerienabend

Saisonstart der Fleetinsel-Galerien

Einmal im Jahr bieten die Fleetinsel-Galerien gemeinsam einen Rundgang durch ihre neuen Ausstellungen. Hamburgs renommierte Galeristen laden nun am kommenden Wochenende wieder zur langen Vernissage-Nacht

Am 7. September eröffnen die zehn Fleetinsel-Galerien in Hamburg ihren Ausstellungsherbst. Von den frühen Abendstunden bis Mitternacht können die Vernissagen besucht werden. Bei Sekt, Selters oder Bier sind Arbeiten zu sehen von: Torsten Slama (Galerie Karin Guenther), Thorsten Brinkmann (artfinder Galerie), Peter Fend (Galerie für Landschaftskunst), Stephan Mörsch und Barbara Camilla Tucholski (Galerie Sfeir-Semler), Ludwig Gosewitz (Jürgen Becker Galerie), "Romy Schneider zum 25. Todestag" (Multiple Box), "www.bildwechsel.org "(Westwerk), Jürgen Albrecht (Dörrie * Priess Hamburg), Yesim Akdeniz Graf (Produzentengalerie Hamburg) und Oliver Ross (White Trash Contemporary).

Die Admiralitätstrasse wird durch die Galeriendichte zur lebendigsten Kunstmeile Hamburgs.
Die Galerie White Trash Contemporary zeigt bis zum 12. Oktober "Oliver Ross - Hard Edge Hippie Brain". Der Hamburger Maler und Installationskünstler Oliver Ross verwandelt die Galerie mit einer grell bunten All-Over-Struktur in ein planvoll chaotisches Gesamtkunstwerk. Aus Haushaltsgegenständen und chemischen Gefäßen bastelt Ross auch eine "Action Painting-Maschine". Seine Arbeit soll daran erinnern, wie packend und sinnlich, wie provozierend und systemkritisch Kunst sein kann.

In der Galerie Dörrie * Priess Hamburg sind bis zum 13. Oktober Skulpturen und Projektionen von Jürgen Albrecht zu sehen. Seine Skulpturen bekommen eine besondere Wirkung, wenn der Betrachter durch die Öffnung der Plastiken in ihr Inneres schaut. Darin erschließt sich eine labyrinthische Architektur. Jürgen Albrechts Videoarbeiten spiegeln seine intensive Auseinandersetzung mit Licht und Raum wieder.

Eine der Fleetinsel-Galerien ist das Westwerk. Dort werden Arbeiten von Künstlerinnen aus der Sammlung bildwechsel gezeigt. Mit ihrem Motto "sammeln, archivieren, zeigen" präsentiert die Ausstellung "hanging out with archives“ eine breite Auswahl: von der klassischen Sammelmappe über das Internet bis zur Videomuseumsinsel.

Die artfinder Galerie zeigt die „Casa Rotti“ – eine Installation von Thorsten Brinkmann. Für seine zweite Einzelausstellung in der Galerie hat der Hamburger Künstler den Ausstellungsraum vollständig verändert. Der Besucher entdeckt gefakete Abnutzungserscheinungen und gestaltete Spuren der Vergänglichkeit: Fetzen alter Tapeten, Kaffeeflecken, Schmutzspuren, alles mit Patina überzogen. Die Ausstellung hat sogar einen eigenen Geruch. Es riecht nach einem Gemisch aus altem Kaffeesatz und schweren Ölen. Ergänzt wird die Raumausstattung durch großformatige „Farb-Schüttbilder“ Brinkmanns: Malereien, die direkt auf zwei Galeriewände aufgetragen wurden. Neuere Arbeiten sind seine „Selbstporträts“. Der Künstler inszeniert seinen eigenen Körper zu bizarren Skulpturen, die jedoch sofort einen bestimmten Personentypus zum Leben erwecken und häufig Bezüge zur klassischen Porträtmalerei herstellen.

Gleich zwei Ausstellungen präsentiert die Galerie Sfeir-Semler bis zum 13. November. Im Erdgeschoss ist „otopark“ von Stephan Mörsch zu sehen. Und im ersten Stock „Fremdenzimmer“ von Barbara Camilla Tucholski. Zum 60. Geburtstag der Künstlerin werden Zeichnungen und Malereien gezeigt. Tucholski arbeitet in Zyklen, immer am Motiv, nie aus der Erinnerung. Ausgangspunkt ist die eigene Biografie unter Bezug allgemein-menschlicher Beobachtungen. Stephan Mörsch hat in seinen Arbeiten Eindrücke aus dem Libanon und der Türkei einfließen lassen. Seine Zeichnungen werden zusammen mit seinen Modellbauten in Szene gesetzt. Kleine Monitore zeigen gefilmte Innenansichten seiner Modelle. Gezeichnetes, gefilmtes und räumlich modelliertes Bild stehen in einer formalästhetishen Beziehung zueinander, deren materielle Präsenz inhaltliche Spannungskurven zu eröffnen scheint.

In der Galerie für Landschaftskunst ist „Peter Fend – Elbegas“ bis zum 27. Oktober zu sehen. Das Projekt „Elbegas“ des Künstlers und Architekten Peter Fend begreift das Einzugs- und Mündungsgebiet der Elbe als Energiequelle. Im Hamburger Hafen und im Gebiet der Elbmündung lagern sich anorganische und organische Stoffe ab. Peter Fend hat Wasserpflanzen geerntet und fermentiert, um aus ihnen Biogas zu gewinnen. In der Ausstellung wird die Arbeit gemeinsam mit der Hydrobiologin Kornelia Paul erklärt. Eine Sammlung der Wasserpflanzen des Elbraumes ist ausgestellt. Zusätzlich gibt es ein Archiv zur weltweiten Algennutzung durch den Menschen.

Die Jürgen Becker Galerie präsentiert Arbeiten von Ludwig Gosewitz. Bis zum 3. November werden die Zeichnungen und Gläser „Stammbaum oder die Planetenlehre“ gezeigt. Ludwig Gosewitz ist der internationalen Fluxus-Bewegung zuzurechnen. Er beschäftigt sich mit konkreter und visueller Poesie. Die Schau zeigt eine Übersicht seiner Zeichnungen, Typogramme, Zahlenbilder und Glasobjekte von
1967 bis 2007.

In der Galerie Karin Guenther werden bis zum 27. Oktober Zeichnungen von „Torsten Slama“ ausgestellt. Und die Produzentengalerie Hamburg zeigt bis zum 27. Oktober eine Ausstellung über „Yesim Akdeniz Graf – Sterblichkeit hat ihren Preis“.

Zum Andenken an „Romy Schneider zum 25. Todestag“ zeigt die Multiple Box Galerie Fotografien von Werner Bokelberg, Peter Brüchmann, Roger Fritz, F.C. Gundlach, Helga Kneidl, Robert Lebeck, Charlotte March, Will McBride und Werner Roelen. Die zum Teil noch nie oder selten gezeigten Bilder aus dem Leben der berühmten Schauspielerin sind noch bis zum 13. Oktober zu sehen.

Für zusätzliche Partystimmung sorgt Angela Richter, die bessere Hälfte des Malers Daniel Richter, im angrenzenden Fleetstreet Theater mit Barbetrieb und DJ bis in die frühen Morgenstunden.

Termin:

Eröffnungsabend auf der Fleetinsel Hamburg. Freitag, 7. September 2007, 19-24 Uhr. Admiralitätstraße, 20459 Hamburg.