Beutekunst - Amsterdam

Aderlass für holländische Museen

Die Katz-Erben erheben Anspruch auf die Kollektion Nathan Katz. Die holländischen Museen, die die Verkäufe als freiwillig erachtet hatten, wurden von den Rückgabeforderungen "wie ein Blitz aus heiterem Himmel" getroffen
"Blitz aus heiterem Himmel":Katz-Erben erheben Anspruch

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Niederländische Museen müssen sich auf einen zweiten Aderlass gefasst machen: Nach den Enkeln des Amsterdamer Kunsthändlers Jacques Goudstikker, die nach jahrzehntelangem juristischem Tauziehen Anfang 2006 rund 200 Werke zurückbekamen, haben nun auch die Kinder des jüdischen Kunsthändlers Nathan Katz (1893 bis 1949) Ansprüche erhoben: Sie fordern 227 Gemälde zurück, darunter Meisterwerke von Jan van Goyen, Jan Steen und Jacob van Ruysdael. Die betroffenen Museen haben entsetzt reagiert. Sie sprechen von einem „Blitz aus heiterem Himmel“. Die Kollektion von Nathan Katz aus Dieren bei Arnheim sei wertvoller als die seines Amsterdamer Kollegen Goudstikker.
Katz hatte vor seiner Flucht in die Schweiz 1941 viele Werke direkt an Hitler und Göring verkauft. Er machte auch Geschäfte mit dem deutschen Bankier Alois Miedl, der nach der Flucht von Goudstikker 1940 dessen verwaiste Kunsthandlung in Amsterdam an sich gerissen hatte. Der niederländische Staat hatte die Verkäufe von Katz bislang als freiwillig betrachtet. Als diese Kunstwerke nach dem Krieg aus Deutschland in die Niederlande zurückkehrten, wurden sie deshalb Staatseigentum. Das galt für alle Transaktionen mit der deutschen Besatzungsmacht. Die Katz-Erben hingegen sprechen von Zwang: so etwa habe ihr Vater zwei Rembrandt-Werke verkaufen müssen, um flüchten zu können. Der Leiter der Haager Restitutionskommission Rudi Ekkart, der sich für eine mildere Rückgabepolitik stark gemacht hatte, ist ebenfalls überrascht: Er bezeichnete den Claim als „merkwürdig und schlampig“. Viele der 227 Werke seien bereits in den dreißiger Jahren verkauft worden. Sein Büro hatte im letzten Jahr für alle Forderungen den 4. April 2007 als Deadline gestellt. Die Katz-Erben hatten ihre Ansprüche kurz vor diesem Datum eingereicht.