Andres Serrano - Lund/Schweden

Brutale Sittenwächter

Rechtsextreme haben in einer Kunsthalle im südschwedischen Lund Fotografien von Andres Serrano mit Äxten zerstört. Die Bilder, die sexuelle Tabuszenen zeigten, seien dekadent, so die Gruppe. Sie würde jederzeit wieder so zu handeln.
Vandalismus:Rechtsextreme haben Bilder von Andres Serrano zerstört

Zerstörungswut: Mit Äxten hatten Rechtsextreme Andres Serranos provokante Bilder demoliert.

Sie kamen am helllichten Tage und hinterließen einen Scherbenhaufen. Am Nachmittag des 5. Oktober stürmte eine Gruppe maskierter Männer die Kunstausstellung „A History of Sex“ des Fotografen Andres Serrano im schwedischen Lund und zerstörte zahlreiche von dessen sehr freizügigen Bildern. Die Täter sind Rechtsextreme, die gegen die angebliche „Dekadenz“ der Werke protestieren wollten. „Vier Patrioten entschieden sich zu zeigen, wie das Volk darüber denkt“, heißt es in einem Video, das die Zerstörung zeigt und von der Gruppe anschließend im Internet veröffentlicht wurde. Die Bilder waren Teil einer Ausstellungsserie zum Thema „Sexualität“ des Museums „Kulturen“ in der südschwedischen Universitätsstadt Lund. „Das ganze Jahr ist Sexualität das Oberthema bei uns. Doch diese gewaltsamen Proteste sind das erste Mal, das gegen eine unserer Ausstellungen vorgegangen wurde“, so Viveca Ohlsson, Kuratorin der Ausstellung.

Serrano ist für seine provokanten Werke bekannt – sein Foto „Piss Christ“ zeigt ein im Urin des Künstlers eingelegtes Kruzifix. Serranos Bilder in Lund dokumentieren sexuelle Tabus. Das Foto „Red Pebbles“ zeigt eine kniende nackte Frau im Profil, die den erigierten Penis eines neben ihr stehenden Pferdes in der Hand hält, auf einem anderen Foto ist ein nackter Mann zu sehen, neben ihm eine bekleidete Frau, die offensichtlich ihre komplette Hand in den Anus des Mannes gesteckt hat. Serranos Bilder sind nüchtern dokumentarisch und ausgeleuchtet, die Haltung der Protagonisten wirkt gestellt. Die Bilder unterscheiden sich von klassischer Erotik- oder Pornografiefotografie, weil das Licht härter ist und die abgebildeten Menschen nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, auch weil Schönheitsfehler wie Pickel nicht wegretuschiert sind. Auf dem Video, das die Gruppe ins Internet stellte, ist zu sehen, wie die Fotografien zerstört werden. Allerdings sind in dem Film die Geschlechtsteile der Abgebildeten – auch des Pferdes – mit roten Rechtecken abgedeckt. Bei der Protestaktion ging es schließlich darum, gegen diese wie es seitens der Gewalttätigen heißt „Perversionen“ vorzugehen.

Bereits vor der Aktion war in einem rechtsextremen Internetforum ausführlich über die Fotos gelästert worden. Serrano sei „ein degenerierter Mulatte“ heißt es in dem ersten Eintrag, die zugehörige Rubrik wurde im Untertitel „entartete Kunst“ genannt. Nach Zerstörung der Bilder sind etliche Einträge zu finden, die die Tat gutheißen. „Persönlich als Kunstliebhaber meine ich, dass das gut war. Kunst ist heute zu wertlosen Provokationen von überwiegend mental gestörten Personen reduziert worden, statt das zu machen, was Kunst soll und getan hat: die Seele des Volkes widerzuspiegeln“, heißt es etwa. Trotz des Vandalismus ist die Ausstellung weiterhin zugänglich und bei einer ohnehin für Sonntag, 21. Oktober, geplanten Podiumsdiskussion, an der unter anderen der schwedische Museumsmann Sune Nordgren teilnehmen soll, wird die Zerstörung der Werke sicher umfassend diskutiert werden.

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