Guggenheim - Bilbao

Protest spanischer Künstler

In Spanien formiert sich scharfe Kritik gegen das Gesuch der Opferverbände, die Bilderserie "Crónicas del País Vasco" aus dem Guggenheim Bilbao zu entfernen. Sie nivellierten den ETA-Terror, so die Opferverbände. Fast 200 spanische Künstler haben gegen dieses Ansinnen nun eine Protesterklärung unterzeichnet
Terrorbilder:Fast 200 Künstler protestieren gegen Kritik

Vermummte ETA-Anhänger, fotografiert von Clemente Bernad

Im Guggenheim Museum in der baskischen Stadt Bilbao sorgt derzeit eine Ausstellung für Aufregung, die von Rosa Martínez (Direktorin der Biennale Venedig 2005) kuratiert worden ist: „Chacun à son goût“ heißt die Schau, die unter anderem auch eine Fotoserie des 1963 geborenen spanischen Fotografen Clemente Bernad präsentiert. Die „Crónicas del País Vasco“ sind Bilder aus dem Terroralltag der ETA. Dabei würden, wie Opferverbände kritisieren, Täter und Polizisten auf eine Stufe gestellt. Die Auswahl zeigt vermummte ETA-Anhänger und vermummte Polizisten. Ein Mordopfer, „getötet von der ETA“ und einen toten Terroristen, „erschossen von der Guardia Civil“, wie es in den Bildlegenden heißt.
Die Opferverbände hatten beantragt, die „Crónicas del País Vasco“ aus der Ausstellung zu entfernen.

197 spanische Künstler, Fotografen und Journalisten haben gegen dieses Gesuch nun scharfen Protest eingelegt. "Bernad ist weder ein Politiker noch ein Philoterrorist. Er fotografiert lediglich eine Realität, die uns nicht gefällt, die wir aber kennen sollten", heißt es in der Solidaritätserklärung, die unter anderen der Künstler Joan Fontcuberta und die Fotografen Chema Madoz, Alberto García-Alix und Cristina García Rodero unterzeichnet haben.

Auch die Museumsleitung sieht sich zu einem Entfernen der „Crónicas del País Vasco“ nicht veranlasst, da sie die „Legalität strikt“ einhalte, wie der Direktor des Guggenheim Bilbao, Juan Ignacio Vidarte, auf einer Podiumsdiskussion feststellte.

Besondere Brisanz gewinnt die Diskussion durch die Tatsache, dass sich in diesem Herbst der ETA-Mord an einem Polizisten zum zehnten Mal jährt: José María Aguirre waren im November 1997 drei Männer aufgefallen, die sich am Museum zu schaffen machten – als er sich ihnen näherte, schossen sie ihn nieder. Die Terroristen hatten das Museum am Eröffnungstag mit Granaten beschießen wollen.