Kai Althoff - Zürich

Der Rabauke findet zur Ordnung

"Ich meine es auf jeden Fall schlecht mit ihnen", hat Kai Althoff im Vorfeld seiner Überblicksschau in der Kunsthalle Zürich seine potentiellen Besucher gewarnt. Tatsächlich präsentiert er sich nun aber aufgeräumter, als befürchtet

Spätestens seit er bei der letzten Berlin-Biennale eine Wohnung in ein zunehmend übler riechendes Durcheinander verwandelt hat, gilt Kai Althoff als Enfant terrible des Kunstbetriebs, das es locker schafft, John Bock, Jonathan Meese und andere Schöpfer infantiler Materialschlachten noch hinter sich zu lassen. Die Ausstellung, die der 1968 in Köln geborene und seither weitgehend dort lebende Künstler nun in der Kunsthalle Zürich eingerichtet hat, kommt denn auch als Warnung daher: „Ich meine es auf jeden Fall schlecht mit ihnen“, verkündet das Plakat. Wer sich entsprechend erwartungsfroh auf den Weg macht, wird zunächst einmal enttäuscht. Statt penetranter Geruchsschwaden aus sich zersetzenden Lebensresten dringt eine zwar etwas süßliche, aber nicht wirklich unangenehme Mischung in die Nase, die laut Direktorin Beatrix Ruf vom Spülwasser über Hustensaft bis zu teuersten Duftwässerchen alles Mögliche enthält.
Vor allem aber hat sich das Chaos in die hinterste Ecke verzogen: Dort, im kleinsten Raum der Ausstellung, hat Althoff den Großteil der Installation „Solo für eine befallene Trompete“, die er 2005 für eine Ausstellung in Los Angeles schuf, wieder eingerichtet. Vom alten Gynäkologenstuhl über zahllose Tücher bis zur Modepuppe im alten Seidenkleid ist hier der ganze Kitsch und Nippes versammelt, den Sehnsüchte und Träume ins private Boudoir schwemmen mögen, Fotos und Zeichnungen inklusive.

In diesem vollgestopften Raum ist am ehesten zu spüren, was die Kuratorin für den Künstler reklamiert: Es gehe ihm um die Unmöglichkeit, das eigene private Leben, all die Impulse, die uns umtreiben, in die Öffentlichkeit der Kunst zu übersetzen. Wenn man es dennoch versucht, ächzt und knirscht es, und in den Rissen, die sich dabei bilden, lässt Kai Althoff seine Kunst wachsen wie Käse den Schimmel. Auch wer damit Mühe hat, wird die eigenartige, fragile Atmosphäre spüren, die dem Künstler gelingt – da will sich einer mal nicht zu seinem eigenen Mythos machen.

Von dieser Atmosphäre heben sich die ersten vier Säle deutlich ab: Da inszeniert Althoff großräumlich und sehr aufgeräumt bestenfalls den Gestus des Privaten. Die Wände sind in dunklerem Braun ausgekleidet, die Böden mit hellbraunem Teppichboden belegt, die Stellwände aus Schulhaus-Ausstellungen ebenso. Darauf und dazwischen arrangiert Althoff mit Zeichnungen, Bildern, Objekten und Installationen seit 1994 Dialoge.

Gewiss, er macht sich einen Spaß daraus, mit den Regeln des Kunstbetriebs zu spielen. Die Techniker der Kunsthalle hat er mit seinen Totalverkleidungen der Räume bis zum Äußersten ausgereizt, die Bilder sind alles andere als auf gleiche Höhe gehängt. Zwar mit Lust zur Bosheit, aber ansonsten doch ganz manierlich, wird erkundet, was dem Körper alles widerfahren kann, die Präsenz der Dinge und Materialien, wie man über Gut und Böse sprechen kann, ohne zu starr zu werden, und manches andere mehr.

Der Rabauke ist ein ernsthafter, nicht mehr wirklich junger Mann geworden.

"Kai Althoff – Ich meine es auf jeden Fall schlecht mit ihnen"

Kunsthalle Zürich: bis 13. Januar. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Verlag JRP/Ringier.

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