Roman Ondák - München

Gewichtheber und Golfschläger

Roman Ondák hat japanische Fabrikarbeiter beauftragt, Figürchen aus Aluminium-Folie zu formen. Für die Münchener Pinakothek der Moderne hat er sie zu einem bezaubernden Mikrokosmos arrangiert
Fantastische Glitzerwelt:Figuren aus Alufolie in der Pinakothek der Moderne

Roman Ondák: "Passage", 2004 (Detail)

Die japanischen Fabrikarbeiter dürften nicht schlecht gestaunt haben: Kommt da dieser Künstler aus der Slowakei und schenkt ihnen Schokolade. Als Gegenleistung forderte Roman Ondák von jedem von ihnen eine kleine Skulptur – geformt aus der Aluminiumfolie, in die die Schokoladentafeln eingewickelt waren. Bei Nippon Steel tat man wie geheißen: Statt routinierte Handgriffe auszuüben, übten sich etwa 500 Arbeiter in Fantasie und Geschicklichkeit und bastelten für den Künstler mehr oder weniger gekonnt Figürchen.

Das Ergebnis, ein Kunstwerk mit dem Titel „Passage“ (2004), ist derzeit in der Pinakothek der Moderne in München ausgestellt: ein riesiger Tisch, auf dem es unscheinbar glitzert. Erst auf den zweiten, dritten und vierten Blick ist man bezaubert von der Vielfalt und Kreativität dieser kollektiven Aktion. Hat da doch tatsächlich jemand einen halb geöffneten Regenschirm hinbekommen, ein anderer formte detailversessen einen sitzenden Gewichtheber. Sicher, es ist auch ein schlicht gefalteter Fächer unter den Werken, wie man ihn selbst schon mal in Gedanken versunken am Kaffeetisch fabriziert hat, doch die meisten Arbeiter scheinen die Aufgabe als Herausforderung begriffen zu haben und fertigten Haie, Baseballkappen, Wirsingköpfe oder Origami-Tierchen. Erstaunlich häufig sind Brillen und Golfschläger vertreten.

Schon öfter hat Roman Ondák (Jahrgang 1966) mit seiner Kunst alltägliche Handlungen ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. So hat er 2003 eine Menschenschlange sinnlos vor dem Kölner Kunstverein anstehen lassen (die Arbeit wurde mittlerweile von der Londoner Tate Gallery angekauft) oder 2004 die Aufsichten im Amsterdamer Stedelijk Museum in Aufseher-Uniformen aus der Zeit ihrer Geburt herum laufen lassen (2004).

Die Schau mit dem Titel „My Summer Shoes Rest in Winter“ in der Pinakothek ist die erste deutsche Museumsausstellung des Künstlers aus Bratislava. Die titelgebende Skulptur besteht aus den Schnürsenkeln der Sommerschuhe des Künstlers, die aneinandergeknotet von der Decke hängen. Es gibt übrigens auch eine Variante mit Winterschuhschnürsenkel, doch die kann verständlicherweise nur im Sommer gezeigt werden.

"Roman Ondák – My Summer Shoes Rest in Winter"

Pinakothek der Moderne, München: bis 17. Februar.