Kunsttipps Januar - Ausstellungen

Die Kunstsaison 2008 ist eröffnet

"Grabt! Und findet" – das Motto der Ausstellung von Jonathan Meese und Daniel Richter gilt auch für alle Kulturbegeisterten, die im neuen Jahr Lust auf Kunst verspüren. Ob Otto Dix, Piet Mondrian, Lucas Cranach oder Max Beckmann – Art präsentiert die Höhepunkte im Januar.

Meese und Richter in Hamburg / Mondrian in Köln

Grabt! Und findet: "Die Sachen sind unentschlüsselbar", so Meese über sein Werk. So ist denn die Inschrift auf dem Totenkopf des Gemeinschaftsbildes von Daniel Richter und Jonathan Meese auch programmatisch zu verstehen: "Grabt! Und findet". So wird das Helms-Museum zum optimalen Gastgeber für die letzte Station des ersten gemeinschaftlichen Ausstellungsprojekts der beiden deutschen Erfolgskünstler: Wo sonst könnten sie der Frage nach Tod und Erinnerung besser nachspüren, als inmitten der prähistorischen Exponate im Hamburger Landesmuseum für Archäologie? Als Muse diente den Künstlern dabei der Erzbischof Gottfried von Arnsberg. Seine Grablege hat man 1992 in Stade entdeckt. Nun widmen Meese und Richter dem Erzbischof, beziehungweise seinen sterblichen Überresten, mehrere großformatige Leinwände – diese sind noch bis zum 25. Mai 2008 im Rahmen der Ausstellung "Jonathan Meese und Daniel Richter – Der archäologische Schrecken" in Hamburg zu sehen.

Sehnsucht nach Geometrie: "Die Leute halten meine Werke grundsätzlich für ziemlich unbestimmt", schreibt Piet Mondrian 1914. Die aktuelle Ausstellung "Vom Abbild zum Bild" im Museum Ludwig in Köln ermöglicht dem Besucher nun, der Unbestimmtheit in Mondrians Bildern auf den Grund zu gehen. Das Museum zeigt noch bis zum 30. März diesen Jahres die Mondrian-Sammlung des Den Haager Gemeentemuseums, die das Museum im Tausch gegen eigene Picassos nach Köln holte. Die Sammlung umfasst Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers – von Landschaftsbildern in der impressionistischen Manier der Haager Schule bis hin zu den berühmten "Kompositionen" aus Mondrians späterem Schaffen. Schon in einem frühen Bild, "Oostzijdse Mühle mit weitem blauem, gelbem und violettem Himmel" von 1907/08, macht sich Mondrians Sehnsucht nach Geometrie eindeutig bemerkbar: Die Flügel der Windmühle sind streng parallel zu den Bildrändern angeordnet – sie geben das Raster vor für Mondrians spätere abstrakte Werke.

Palermo in Düsseldorf / Meese in Hamburg / True Romance in Wien

Zwischen Bild und Objekt: "Mit dem Namen Heisterkamp kannste nie was werden als Künstler," legte der Professor Joseph Beuys in den sechziger Jahren einem seiner Studenten nahe. Und so heißt die Ausstellung am Grabbeplatz in Düsseldorf auch "Palermo", und nicht "Heisterkamp". Die Ausstellung haben die Kunsthalle Düsseldorf und der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen aus Anlass ihres 40-jährigen Bestehens am Grabbeplatz gemeinsam konzipiert. Palermos Arbeiten dürfen niemals ohne ihren räumlichen Kontext betrachtet werden und auch niemals ohne die Interaktion der Arbeiten untereinander. Bis zum 20. Januar noch wird in Düsseldorf einige der Raumkonzepte Palermos zu sehen sein – darunter auch einige seiner "Metallbilder", bei denen der Künstler die Leinwand durch Aluminium- oder durch Stahlplatten ersetzte und die Bilder dadurch in einen unentschiedenen Schwebezustand versetzte zwischen zweidimensionalem Bild und dreidimensionalem Objekt.

Dionysische Zustände: Innerhalb von drei mal 24 "magischen" Stunden sind Fotografien von Peter Hönnemann, die alle eine Person abbilden: Jonathan Meese. Die Zustände müssen dionysisch gewesen sein, während sich die beiden Künstler für das Fotoshooting der besonderen Art in Hönnemanns Hamburger Atelier eingeschlossen hatten. Denn: "Es war ein Rausch, eine Reise, ein Sprung durch die Wand", so Hönnemann. Das Ergebnis dieser Reise ist unter dem Titel "24 h" noch bis zum 27. Januar diesen Jahres im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zu sehen.

Venus, Amor und Co.: "Ist’s Liebe, Gott, was mag die Liebe sein?", fragte sich der Dichter Francesco Petrarca im 14. Jahrhundert. Die Frage hat sich über die Jahrhunderte hinweg nicht verändert. Bis heute versuchen Künstler ihr auf den Grund zu kommen. Das bildnerische Personal, dass die Künstler dabei bemühen – Venus, Amor und Co., hat sich seit Petrarca bis in die Gegenwartskunst nicht verändert: Doch während Botticellis Venus um 1500 auf einer Muschel aus den Fluten taucht, lässt Michelangelo Pistoletto sie 1967 aus einem Haufen Altkleider aufsteigen. Zu sehen sind die amourösen, künstlerischen Positionen noch bis zum 3. Februar 2008 in der Ausstellung „True Romance. Allegorien der Liebe von der Renaissance bis heute“ in der Kunsthalle Wien.

Cranach in Frankfurt / Beckmann in München

Holde Schönheiten: Am liebsten, so die Überlieferung, malte Lucas Cranach Frauen. Im Städel in Frankfurt am Main sind noch bis zum 17. Februar 2008 einige seiner holdesten Schönheiten zu sehen: Die meisterhaft gemalten Schleier sind durchsichtig – sie verfüllen nicht, sie betonen vielmehr die Nacktheit ihrer Trägerinnen. Cranach schuf seinen eigenen Idealtypus einer schönen Frau, dabei verzichtete er auf akribische Proportionsstudien. Eines haben Cranachs Venus, seine Lucretia und seine Maria Magdalena gemein: Sie bezaubern den Betrachter durch eine ganz eigene Anmut und keine von ihnen kann ein kleines, verschmitzes Lächeln unterdrücken.

Beckmann in Amsterdam: Während Max Beckmanns zehnjährigem Exil in Amsterdam entstand ein Drittel seines gesamten Werks und einige seiner stärksten Arbeiten. In Kooperation mit dem Van Gogh Museum Amsterdam zeigt die Pinakothek der Moderne in München eine umfangreiche Schau von Beckmanns Amsterdamer Arbeiten. Einen roten Faden findet man nicht auf Anhieb – die Ausstellung vereint Triptychen, Gruppenbilder, Landschaften und Selbstporträts. Doch genau diese Vielfalt zeichnet den Maler aus, der Anleihen nimmt aus Mythologie und christlicher Religion, um diese in seiner meisterhaften Art zu malen auf die historische Situation und seine eigene Biografie anzuwenden – auf sein Leben als Emigrant in den Niederlanden, der zwischen Hoffnung und Verzweiflung auf eine Ausreisegenehmigung in die USA wartet. Die Ausstellung "Max Beckmann – Exil in Amsterdam" ist noch bis zum 27. Januar geöffnet.

Dix in Stuttgart / Grünewald in Karlruhe und Colmar

Unerbittlicher Verismus: Was am Menschen kann ein Maler in einem Porträt zutage fördern, das die Fotografie nicht festzuhalten vermag? Otto Dix hat diese Frage in einmaliger Art und Weise beantwortet, indem er akribisch, in seinem unerbittlichen Verismus Menschen seines Umfelds porträtiert hat. Eine der ältesten malerischen Disziplinen, die Porträtkunst, bildet den thematischen Rahmen für die Ausstellung "Getroffen. Otto Dix und die Kunst des Porträts" im Kunstmuseum Stuttgart. Zusammengebracht werden die Werke von Otto Dix mit Porträts anderer Maler – von Lucas Cranach bis Andy Warhol, zu sehen noch bis zum 6. April dieses Jahres in Stuttgart.

Urmenschliche Gefühle: Matthias Grünewald gab nicht viel auf akribische Perspektivstudien, wie sie jenseits der Alpen geübt und angewendet wurden. Er beherrschte die perspektivische Darstellung, wendete sie auch hin und wieder an – warf sie jedoch unbedarft über Bord, wenn er urmenschliche Gefühle darstellen wollte – etwa das Leiden Jesu am Kreuz oder die Trauer Mariens um ihren Sohn. Die Ausstellung in der Kunsthalle Karlsruhe, "Grünewald und seine Zeit", bettet Grünewalds Werke in den Kontext seiner berühmten Malerkollegen, Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien und Lucas Cranach ein. Parallel dazu zeigt das Musée Unterlinden in Colmar, weniger als zwei Autostunden von Karlsruhe entfernt, neueste Erkenntnisse zu Grünewalds "Isenheimer Altar", welche direkt am Original nachvollzogen werden können.