Avner Ben-Gal - Kunstmuseum Basel

Traumhaft desolate Atmosphäre

Karge Landschaften, verschwimmende Figuren und isolierte Figuren: Die Werkschau des israelischen Malers Avner Ben-Gal im Basler Museum für Gegenwartskunst zeigt neue Werke voller Leere, Grausamkeit und Ausweglosigkeit.

Ein Paar kniet vor einem wandhohen Fenster und starrt auf die von draußen heranrollenden Wassermassen. Über einer Landschaft, die vielleicht ein Hurrikan verwüstet hat, schweben zwei abgeschlagene Köpfe. Die Gemälde "Tsunami" und "Plötzliche Not" (beide 2006 entstanden) sind typisch für das Werk des israelischen Malers Avner Ben-Gal: Seine Welt ist von Naturgewalten beherrscht oder aber von Menschen in ei­ne Hölle verwandelt. Leere, Grausamkeit und Ausweglosigkeit, wo­hin man auch blickt.

Doch das Ungeheuerliche ist so allgemein, dass es bestenfalls gelangweilt re­gistriert wird. Da waten auf dem Aquarell "Gang" (2000) fünf Typen im Blut, es trieft von ihren Händen und Kleidern, als hätten sie gerade ein Massaker verübt. Dennoch stellen sie sich in ihren Schlaghosen und Rollkragenpullis auf wie für ein harmloses Familienfoto. Auf "Salzwasser" (2002) schüttet ein onanierender Mann eine Flüssigkeit auf die entblössten Brüste einer knienden Frau. Drei andere sehen ihm dabei zu.

Avner Ben-Gal wurde 1966 im israelischen Ashkelon geboren und lebt in Tel Aviv. Man ist versucht, die Atmosphäre der Bedrohung, die Selbstmordattentate und Kriege, die den Alltag in Israel bestimmen, in den Szenen dieser Bilder wiederzufinden. Jeder ist unter diesem Blickwinkel verdächtig. Der Mann, der der auf dem Bild "Öffentliches Telefon" (2006) in einer Telefonzelle steht, könnte mit sei­nen dunklen Haaren und dem langen Bart vieles sein: ein flüchtender Gefangener, ein Obdachloser, ein Junkie, ein Hippie. Die Unbestimmtheit macht ihn unheimlich. Seine Figuren besäßen "eine verborgene Seite, die enthüllt werden will", hat der Maler einmal gesagt.

Gleichwohl wäre es unangemessen, Ben-Gal auf die Darstellung einer israe­lischen Befindlichkeit zu reduzieren. Die verwüsteten Landschaften und verschwimmenden Figuren schaffen eine desolate und traumhafte Atmosphäre der Angst und des Übergangs, wie sie überall entstehen kann. Diese fantastische Dimension will die Ausstellung, die Philipp Kaiser für das Museum für Gegenwartskunst konzipiert hat, mit zum Teil ganz neuen Bildern in den Blick rücken.

"Avner Ben-Gal"

Termin: 18. Januar 2008 bis 4. Mai 2008. Katalog: Januar 2008 im Hatje Cantz Verlag, zirka 35 Euro.
http://www.kunstmuseumbasel.ch/de/ausstellungen/vorschau/avner/