Letizia Battaglia - Erich-Solomon-Preis

Blut und Tränen der Gewalt

Die italienische Fotografin Letizia Battaglia hat jahrzehntelang die Verbrechen der Mafia dokumentiert. Dafür wurde sie jetzt mit dem Erich-Solomon-Preis geehrt. art-Korrespondentin Ute Diehl hat Battaglia in Palermo getroffen.
Blut und Tränen der Gewalt:Die italienische Fotografin und die Mafia

Letizia Battaglia, "Palermo, 1976". Das Opfer hieß Vincenzo Battaglia. Seine Frau wollte helfen, aber es kam jede Hilfe zu spät.

Letizia Battaglias Maisonettewohnung liegt hoch oben in einem grauen Mietshaus nah am Gefängnis Ucciardone in Palermo. Die 72-jährige Fotografin, die jahrelang unerschrocken die Verbrechen der Mafia dokumentierte, ist gerade aus Köln von einer Tagung über organisierte Kriminalität zurückgekehrt.

Warum hat sie eigentlich immer schwarzweiß fotografiert? "Da ist so viel Blut geflossen", sagt sie. "Das konnte man nicht in Farbe aufnehmen. Ich glaube, ich habe auch aus Respekt vor den Opfern schwarzweiß fotografiert."
Sie hat ein Leben lang gegen die Mafia gekämpft. Sie hat ihre Kamera auf Opfer und Täter gerichtet, auf Weinende und Tröstende, auf Richter und Killer. Ihre Fotos rüttelten auf. Es sind Bilder voller Dramatik, Verzweiflung und Entsetzen.
Als 1992 in Palermo eine Autobombe Paolo Borsellino und seine fünf Leibwächter zerfetzte, ging sie hin. "Ich hatte die Kamera um den Hals, aber ich konnte nicht fotografieren. Es lagen Reste von Menschen herum. Damals habe ich aufgehört, den Tod zu fotografieren."

Sie hatte einen Verlag für Anti-Mafia-Bücher gegründet und für den Verkauf einen kleinen Laden gemietet. Als zum zweiten Mal ein freundlicher Mann erschien und um eine Spende bat, gab sie auf. "90 Prozent der Geschäftsleute bezahlen Schutzgeld. Widerstand war bisher tödlich", erklärt sie. "Aber es gibt jetzt einen echten Aufbruch gegen die Mafia."

Im vergangenen Jahr hat Letizia Battaglia den Erich-Salomon-Preis erhalten. Sie zeigt die digitale Leica M8. "Ein großes Geschenk. Ich wollte ja den Sprung zur Digitalkamera machen, konnte mir das aber leider bisher nicht leisten."

Gekürzte Fassung. Lesen Sie den gesamten Artikel in der aktuellen art-Ausgabe 2/2008.