Amadeo de Souza-Cardoso - Ernst-Barlach-Haus

Der Ritter der Moderne

Auf eine überraschende Entdeckungsreise kann man derzeit im Ernst-Barlach-Haus in Hamburg gehen. Der portugiesische Maler Amadeo de Souza-Cardoso (1887 bis 1918) ist heute zu Unrecht in Vergessenheit geraten – zu Lebzeiten genoss der Künstler unter Kritikern und Sammlern höchste Wertschätzung.

In Cardosos Werken finden sich nostalgisch märchenhafte Wunschwelten, beherzte Ritter auf hohem Ross und geometrische Figuren. Sein Oeuvre ist so vielschichtig und facettenreich, dass man sich kaum vorstellen kann, die 70 Bilder seien in nur sieben Jahren entstanden.

"Wie ein Schwamm saugte er alle Einflüsse auf", sagt der Leiter des Ernst-Barlach-Hauses Dr. Karsten Müller, der die Ausstellung mit Leihgaben der renommierten Fundação Calouste Gulbenkian organisierte. Müller trifft damit den Ursprung Cardosos Ideen: Als Cardoso 1906 nach Paris geht, verschreibt er sich ganz der Malerei, trifft dort auf die Pariser Avantgarde und baut sich einen illustren Freundeskreis auf. Zu seinen Freunden gehörten Amedeo Modigliani, Sonia und Robert Delaunay, Pablo Picasso, Constantin Brancusi und Alexander Archipenko.

Seine Werke waren 1913 bei der New Yorker "Armory Show" und beim Ersten Deutschen Herbstsalon in Herwarth Waldens Berliner Galerie "Der Sturm" zu sehen. Beide Ausstellungen gelten heute als Meilensteine der Moderne. Cardosos Freund Otto Freundlich brachte ihn noch im selben Jahr mit seiner ersten Einzelausstellung "XX Dessins" nach Hamburg, in die Kunstgewerbeschule. Nach mehr als 90 Jahren, kehren nun Cardosos Werke nach Hamburg zurück und bieten einen wunderbaren Einblick in das Schaffen eines gerade einmal 30 Jahre alt gewordenen Pioniers.

Im Barlach-Haus sind auch elf der "XX Dessins" zu sehen. An Gaugin erinnernde exotische Landschaften treffen auf die Formenwiederholungen Brancusis. Doch nicht nur Einflüsse zeitgenössischer Künstler sind spürbar: Cardoso verarbeitet ebenso dekorative Elemente der portugiesischen Volkskunst und kubistische Zeichnungen. Im Gegensatz zu den monoton gehaltenen kubistischen Bildern, treten bei Cardosos Bildern dynamisch leuchtende Kompositionen auf und erinnern an die spätere Pop Art. Cardosos Bilder bewegen sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Sie sind "ein schillerndes Kaleidoskop, eine turbulente Geschichte mit offenem Ausgang", sagt Müller. So entsteht eine Mischung aus Eleganz, Mysterium, Imagination, Emotion, Poesie und Symbolik.

Seine Bilder sind frisch und voller Vitalität. Sie laden den Betrachter zu einer Reise in eine farbenfrohe Traumwelt ein.

"Amadeo de Souza-Cardoso – Ein Pionier aus Portugal"

Termin: bis zum 30. März im Ernst-Barlach-Haus in Hamburg. Katalog: 25 Euro
http://www.barlach-haus.de/