Dirk Skreber - Baden-Baden

Das Unheimliche im Vertrauten

Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden zeigt Malereien und eine Installation des in New York lebenden deutschen Künstlers

Es muss gewaltig geknallt haben. Reifen sind durch die Luft geflogen, Autos haben sich um Laternenmasten gewickelt. Was ist passiert? Schaut so ein typischer Autounfall aus? Dirk Skreber lässt den Betrachter im Ungewissen.

Ob er Naturkatastrophen oder Unfälle malt, stets durchzieht das Vertraute etwas Unheimliches. "Man fragt sich, ob es fantasiert ist", sagt Fritz Emslander. Er hat eine Skreber-Ausstellung für die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden zusammengestellt.

Es ist Skrebers erste große Schau in Deutschland. Seit seinem Umzug nach New York ist er in den USA dagegen sehr erfolgreich und wird am Markt hoch gehandelt. Eine Retrospektive will Emslander nicht zeigen "dazu ist Skreber noch zu jung", sagt er über den 1961 in Lübeck Geborenen. Im Zentrum der Schau stehen nicht die surrealen Häuser und Landschaften, die den Maler Anfang der neunziger Jahre bekannt gemacht hatten, sondern Werkgruppen, die seit 2002 entstanden sind. Die "Car-Crashs" zeigen den Moment nach der Katastrophe, durch die "Glamourästhetik", so Emslander, entstehe ein Widerspruch zwischen Realität und Fiktion.

Nicht nur einige Gemälde haben mit einer Breite von bis zu sieben Metern enorme Ausmaße, auch die Installation, die eigens für Baden-Baden entsteht, zieht sich durch drei Ausstellungsräume: Aus Holzstäben baut der Künstler gut zwei Meter hohe Architekturelemente, die zwischen Wasserbassins aufragen. "Skreber öffnet Assoziationen", sagt Emslander, "es erinnert an einen Sportfeld, an Viehgitter, Gefangenensport".

Auch hier geht es um das Mehrdeutige, um ein Spannungsfeld, das den Betrachter mit Widersprüchen konfrontiert. In der Werkgruppe "Superheroes" bezieht Skreber sich auf die amerikanische Wirklichkeit. Indem er Klebebänder aus Schaumstoff parallel auf Leinwände klebt, erreicht er einen Op-Art-Effekt und schafft verschiedene Bildebenen, in denen er Anspielungen auf das politische Amerika zum Beispiel mit küssenden Cowboys kombiniert. Skreber behauptet, dass es ihm dabei ausschließlich um die Malerei gehe. "Da bin ich mir nicht so ganz sicher" meint dagegen Emslander. Denn: "Dazu könnte er wesentlich harmlosere Motive wählen."

"Blutgeschwindigkeit"

Termin: 9. Februar bis 13. April, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden. Katalog: Verlag der Buchhandlung Walther König, circa 30 Euro.

http://www.kunsthalle-baden-baden.de