Arcimboldo - Wien

Das Geheimnis der Gurkenmaske

Das Kunsthistorische Museum Wien zeigt die verwirrenden Bilder des Mailänder Manieristen Giuseppe Arcimboldo

Am Hofe der Habsburger im 16. Jahrhundert war er ein gefeierter Künstler, doch dann geriet er jahrhundertelang in Vergessenheit. Leben und Werk des Mailänder Manieristen Arcimboldo (1526 bis 1593) sind bis heute nicht vollständig erforscht, doch sein Markenzeichen, sein Malrezept kennt jeder: Allegorien und Porträts, die je nach Thema vollständig aus Obst, Gemüse, Blumen, Erd- oder Meerestieren zusammengesetzt sind.

Etwa eine Gurke als Nase, Augen aus Kirschen und eine reife Birne als Kinn im Gemälde "Sommer" (1563). Eine das Element "Wasser" (1566) symbolisierende Gestalt besteht bei Arcimboldo ganz aus Fischen und Schalentieren, die "Erde" aus Wild, Affen, Steinböcken, Lämmern und Löwen.

Raffiniert-verwirrende Bildnisse waren in Arcimboldos Zeitalter außerordentlich beliebt. Während sich viele Maler der so genannten anamorphotischen Malerei bedienten (ein Bildnis wurde auf der Leinwand so brutal verzerrt, dass es nur mit Hilfe eines spiegelnden Zylinders entzerrt und erkannt werden kann), foppte Arcimboldo seine Betrachter ohne technische Hilfsmittel: Er malte menschliche Antlitze auf den Kopf gedreht als Stillleben oder Vertreter von Berufen wie Koch und Bibliothekar als Puzzle ihrer Arbeitsinstrumente.

Heute zieren die Bilder Küchenkalender und Kochbücher

Seine Bildzyklen "Die Jahreszeiten" oder "Die Elemente" waren bei Adel und Volk ausgesprochen populär, weil das Publikum hinter der von Gedichten mit antiken Anspielungen begleiteten Allegorie die charakteristischen Merkmale des jeweils porträtierten Habsburgers durchaus wieder erkannte.

Hauptberuflich musste Arcimboldo anfangs die offiziellen Porträts der österreichischen Hofmaler kopieren, später inszenierte er als Zeremonienmeister Feste für die Mitglieder der kaiserlichen Familie und entwarf ihre karnevalesken Kostüme. Seine Kompositionsporträts wurden erst im 20. Jahrhundert von den Surrealisten als frühe Vertreter der Fantastik wiederentdeckt, heute zieren sie Küchenkalender und Kochbücher. Ihr eigentliches Geheimnis jedoch blieb ungelüftet: Waren sie gedacht als unterhaltsame Spielerei oder als Verbildlichung der Beziehung von Mensch und Natur, als eine Betrachtung von Kunst und Naturwissenschaft in Anlehnung an die Skizzen von Leonardo da Vinci, die Arcimboldo kannte?

In dieser von Paris nach Wien gewanderten ersten monografischen Ausstellung mit insgesamt rund 150 Werken sind 41 Gemälde vereint, darunter neben den Kompositionsporträts auch konventionelle Gesellschaftsbilder der kaiserlichen Familie von Maximilian II. Sie illustrieren den Werdegang des in einer Mailänder Künstlerfamilie geborenen Malers, der 1562 an den Wiener Hof kam, dort Karriere machte und erst 1587 mit kaiserlicher Belohnung in seine Heimatstadt zurückentlassen wurde. Seine in den Studienjahren gemalten Entwürfe für Glasfenster mit alttestamentarischen Motiven schmücken bis heute den Mailänder Dom.

"Arcimboldo"

Termin: bis 1. Juni 2008, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Wien. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 39,80 Euro
http://www.khm.at/