Tim Eitel - Kunsthalle Tübingen

Mehr als ein Marktphänomen

Düstere neue Bilder des deutschen Malers in der Kunsthalle Tübingen

Was ist mit dem Mann? Ist er eingeschlafen? Depressiv? Tot? "Liegender" nennt ihn Tim Eitel schlicht in seinem Gemälde von 2005 – und überlässt es der Fantasie des Betrachters, die Geschichte weiterzuerzählen. Es ist düster geworden in Eitels Malerei.

Der 1971 im Schwäbischen geborene Künstler hat in Leipzig studiert und avancierte schnell zum Malerstar mit seinen munteren Figuren, die wie deplatziert in Museumsräumen herumstanden. Die Kunsthalle Tübingen zeigt nun den neuen Tim Eitel und konzentriert sich auf das Werk der vergangenen vier Jahre, das ernster geworden ist.

"Früher gab es eine positive Grundstimmung", sagt Martin Hellmold, Leiter der Kunsthalle Tübingen, "jetzt sind die Werke stiller, dunkler und existenzieller." Eitels Thema ist der Mensch in den westlichen Industriestaaten. Das Gros der 40 Gemälde ist nach fotografischen Vorlagen entstanden. "Asphalt“ aus dem Jahr 2007 zeigt zwei Einkaufswagen, voll beladen mit der Habe eines Obdachlosen. Einsam stehen sie im leeren, abstrakten Raum. Für Hellmold kommen hier nicht nur "zwei malerische Systeme" zusammen, nämlich gegenständliche und abstrakte Malerei, sondern die perspektivlosen Bildräume sind zugleich Ausdruck. "Man kann die graue Fläche hinter dem Mann als Belastung sehen", meint Hellmold, "das ist kein Himmel, der eine Perspektive gibt, wieder aufzustehen."

In den Augen des Kunsthallendirektors belegen die neuen Werke, dass der Künstler gereift ist. "Eitel hat eine Stärke entwickelt, von der man vorher nicht ausgehen konnte." Das macht die Werke auch so begehrt. Sie kommen alle aus Privatbesitz, mehr als die Hälfte gehört amerikanischen Sammlern. Für Hellmold ist mit der Ausstellung endgültig der Beweis erbracht, dass Tim Eitel kein Marktphänomen ist, sondern ein ernst zu nehmender Künstler. Er habe geschafft, sich den Trubel vom Leibe zu halten. "Das ist für seine Arbeit entscheidend."

"Tim Eitel – Die Bewohner"

Termin: 1. März bis 1. Juni. Weitere Station: bis 31. August Kunsthalle Brandts, Odense, Dänemark; 20. September bis 30. November, Kunsthalle zu Kiel. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 35 Euro.
http://www.kunsthalle-tuebingen.de