Interview zu Hariton Pushwagner

»Diese Bilder sind wie ein schlechter Trip«

Nach der Ausstellung von Janette Laverrière und Nairy Baghramian hat nun die Schau "Pushwagner kuratiert von Lars Laumann" im Schinkel-Pavillon begonnen. art-Autor Kito Nedo sprach mit Laumann über Norwegen, LSD und die Apokalypse.
"Diese Bilder sind wie ein schlechter Trip":Lars Laumann über Hariton Pushwagner

Hariton Pushwagner: Arbeiten aus der Serie "Apokalypse", realisiert in den achtziger und neunziger Jahren

Herr Laumann, wie sind Sie auf die Arbeiten von Hariton Pushwagner gestossen?

In Norwegen ist Pushwagner ziemlich bekannt. Er hat zwar eine Art Außenseiter-Status aber man respektiert seine Arbeit sehr. Vielleicht bin ich auch über den Autor Axel Jensen auf ihn aufmerksam geworden. Die beiden haben gemeinsam an "Soft City" gearbeitet. Jensen ist eine kulturell einflussreiche Figur, er brachte in den siebziger Jahren
die LSD-Kultur nach Norwegen.

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Installationsansicht der 5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst im Schinkel Pavillon: Gemälde, Poster und Dokumente von und über Pushwagner

Wieso haben sie Pushwagner für den Schinkel-Pavillion eingeladen?

Als ich mitbekam, dass in den Berliner KunstWerken der "Soft City"-Zyklus zu sehen sein würde, dachte ich, dass man hier dann unbedingt den "Apokalypse"-Fries zeigen müsste! Die beiden Werke stehen ja miteinander in Beziehung. Vieles was in "Soft City" an Motiven eher skizzenhaft auftaucht, findet sich ja hier in diesen Bildern in ausgearbeiteter Form wieder. Man kann also eine Entwicklung zeigen. Das hat mich interessiert.

Was beeindruckt Sie mehr, der comicartige Stil oder das Thema der urbanen Dystopie?

Ich denke, das ist beides wichtig und gehört zusammen. Diese Bilder sind sehr düster, wie ein schlechter Trip. Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger dachte man tatsächlich, alles wird mal so wie in Orwells "1984". Pushwagner hat mir mal erklärt, als er 1973 mit "Apokalypse" anfing war das Fiktion, mittlerweile sei es ein Fakt.

Die "Apokalypse"-Bilder wie auch "Soft City" dürften mit zu den ältesten Arbeiten auf der Biennale gehören.

Ja, das mag stimmen. Sie wurden allerdings auch noch nie im Ausland gezeigt. Wer hat festgelegt, dass auf Biennalen nur immer die neueste oder frischeste Kunst präsentiert werden darf? In Norwegen gab es übrigens auch nur eine einzige Ausstellung vor vier Jahren, wo diese Bilder alle zusammen zu sehen waren. Es war also gar nicht so einfach, sie hierher nach Berlin zu holen. Den vollständigen Fries zusammenzubringen, ist uns nicht gelungen. Ein Bild gehört etwa zur Sammlung den Bergen Museums. Die Bedingungen, an welche eine Entleihe geknüpft waren, liessen sich nicht erfüllen.

Haben Sie geahnt, dass Sie bestimmte Bilder nicht bekommen würden?

Nein, nicht wirklich. Die Recherchen im Vorfeld waren wie eine kleine Detektivgeschichte. Ich denke jedoch, schon ein einziges Bild bietet so viel Stoff, dass man schon allein damit eine Ausstellung bestreiten könnte. Aber es wäre natürlich schön gewesen, wenn wir statt vier alle sieben zum Fries gehörenden Bilder hätten zeigen können. Diese Schau stellt also einen Anfang dar, sie irgendwann wieder zusammenzubringen. Sie sollten nicht so verstreut in Privathäusern und Museumsdepots sein.

"bb5 – 5. berlin biennale"

Termin: 5. April bis 15. Juni. Öffnungszeiten: Di bis Fr 10-19, Do 10-22, Sa, So 11-19 Uhr. Eintrittspreise: Kombikarte (alle Orte) 12 Euro, ermäßigt 8 Euro pro Person. Verkauf: Kunst-Werke, Auguststraße 69, Tel. (030) 24 34 59 60. Orte: Kunst-Werke, Neue Nationalgalerie, Skulpturenpark Berlin, Schinkel-Pavillon. Katalog: JRP Ringier Verlag, 32 Euro.
http://www.berlinbiennale.de

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