Nobuyoshi Araki - Ausstellungen

Fesseln – ein Akt der Liebe

Der japanische Künstler Nobuyoshi Araki fotografiert gefesselte Frauen. Seine kontroversen Bilder werden jetzt in Hamburg und Berlin ausgestellt.

Nobuyoshi Araki fesselt. Und zwar im Wortsinn. Für seine Fotos verschnürt der japanische Fotograf die Körper nackter Frauen, zwängt sie, in bizarren Positionen verdreht, in enge Kisten, spickt Vaginen mit Fabelwesen aus Plastik oder ganz gewöhnlichen Dildos, tunkt seine Modelle in Wasserbecken oder lässt sie von der Decke baumeln. Araki ist ohne Zweifel einer der kontroversesten Fotografen der Gegenwart.

In einer Selbstdarstellung im Magazin der Wochenzeitung "Die Zeit" stellte der 1940 geborene Fotograf klar, seine Modelle "bestimmen selbst, was geschieht". Auf den Betrachter könnten sie "wie Opfer" wirken, aber sein Ideal sei, "dass ich mich am Ende selbst als Opfer erlebe, weil ich von ihnen gefesselt bin". Seine Aufnahmen firmieren im Westen unter "Bondage", dem Begriff für erotische Fesselungen. Nobuyoshi Araki selbst benutzt dagegen den Ausdruck "Kinbaku", wie die Kunst der erotischen Fesselung in Japan heißt. "Bondage ist, jemanden gefangen zu halten. Kinbaku ist wie eine Umarmung, ein Akt der Liebe", so der Fotograf in seinem "Zeit"-Beitrag.

Eigentlich fotografiert Nobuyoshi Araki nur japanische Frauen. Eine Ausnahme machte er 1996 für die isländische Popsängerin Björk, eine glühende Verehrerin seiner Kunst: Er fotografierte ihr Porträt für das Cover ihrer LP "Telegram",

In zwei gleich Ausstellungen besteht jetzt die Möglichkeit, sich ein Bild von der Fotokunst des Nobuyoshi Araki zu machen: Die Hamburger Galerie Aplanat zeigt auch die "Bondage"-Fotos, darunter frühe, farbige Polaroidaufnahmen, aber vor allem den "anderen" Araki – seine Farbfoto-Serie "Flowers and Jamorinsky" (2005/2006). Das sind großformative C-Prints von Blüten – Bilder von eigentümlich sinnlicher Schönheit, die manchmal durch die Anwesenheit einer Echse verstörend wirken (bis 30. Juli). "Kinbaku" heißt die Ausstellung in der Jablonka Galerie in Berlin, die sich ganz auf die Frauenfotos konzentriert (bis 26. Juli).

"Kinbaku" / "Flowers and More"

Termine: bis 20. Juli, Galerie Jablonka, Berlin. Und bis 26. Juli, Galerie Aplanat, Hamburg.
http://www.jablonkagalerie.com/