Tobias Rehberger - Museum Ludwig Köln

Werkschau auf 70 Metern

Auf 70 Metern zeigt Tobias Rehberger seine selbst eingerichtete Werkschau im Kölner Museum Ludwig: Eine Schnittmenge aus auratischem Werk und Massentauglichkeit bestehend aus Plexiglasobjekten, Videoregalen und Aquarellen – und einer gehörigen Prise gewitzter Ironie.

Tobias Rehberger spielt in einem seiner bekanntesten Werke mit der Design-Moderne so etwas wie das alte Kinderspiel "Stille Post". Zunächst zeichnete er einige klassisch gewordene Stuhlentwürfe aus dem Gedächtnis nach, schickte die Skizzen dann als Bauanleitungen nach Kamerun und präsentierte die dort von einfachen Handwerkern gefertigten Objekte anschließend seinem Publikum.

Unterwegs ging den Stühlen viel von ihrer heiligen Strenge verloren, die dafür trotz gelegentlich etwas krummer Beine an Bodenständigkeit gewannen. Wie in dieser Arbeit stellt der 42-jährige Künstler immer wieder gestalterische Ideen auf die Probe der kollektiven Fantasie. Im Stile eines gewitzten Ironikers zieht er die Schnittmenge zwischen auratischem Werk und Massentauglichkeit und lässt dazu Motive auf Pullunder stricken oder Wohlfühlträume in skurrilen Möbelwelten wahr werden.

Sein Vorhaben, eine Skulptur des Minimalisten Donald Judd zum Bartresen umzubauen, wurde hingegen bis heute nicht verwirklicht. Im Kölner Museum Ludwig ist nun als Übernahme aus dem Amsterdamer Stedelijk Museum eine von Rehberger selbst eingerichtete Werkschau zu sehen. Wie kaum anders zu erwarten, hat sich der Frankfurter Künstler und Lehrer an der Städelschule dafür einen besonderen Kniff einfallen lassen: Auf einer Strecke von 70 Metern sind Stühle, Blumenvasen, Klettbandlampen, Plexiglasobjekte, Videoregale und andere Zwitter zwischen Kunst und Möbel aufgereiht, eigens installierte Leuchter werfen ihre bunten Schatten an die Wand. Aus dem Alten entsteht so etwas Neues, eine Wandmalerei, die den Gedanken der Rückschau elegant unterläuft.

Nicht nur am skurrilen Ausstellungstitel "Das-kein-Henne-Ei-Problem" kann man dabei den Einfluss seines Lehrers Martin Kippenberger ablesen. Auch der gemalte Kalauer ist Rehberger nicht fremd: Das Aquarell "Man with big Cock" ("Cock", Hahn, ist auch die englische Vulgärbezeichnung für Penis) zeigt einen Bauern, der einen riesenwüchsigen Gockel im Schlepptau hat.

"Tobias Rehberger – Das-kein-Henne-Ei-Problem"

Termin: bis 21. September, Museum Ludwig, Köln. Literatur: "Tobias Rehberger. 1993–2008", DuMont Buchverlag, 49,90 Euro.
http://www.museum-ludwig.de