Timm Rautert - Corinth-Preis

Timm Rautert erhält Lovis-Corinth-Preis

Der Fotograf Timm Rautert ist am Sonntag in Regensburg mit dem Lovis-Corinth-Preis ausgezeichnet worden. Seine Fotografien nehmen die soziale Wirklichkeit kritisch ins Visier.

Die nach dem Maler Lovis Corinth (1858-1925) benannte Auszeichnung wird seit 1974 von der Künstlergilde Esslingen in Kooperation mit dem Regensburger Museum Kunstforum Ostdeutsche Galerie vergeben und gilt als einer der renommiertesten Kunstpreise Deutschlands.

Der Preis wird im Zwei-Jahres-Rhythmus an zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler verliehen, deren Leben und Werk in Verbindung mit den historischen deutschen Kulturlandschaften im heutigen östlichen Europa und dem dortigen aktuellen Kunstgeschehen steht. Timm Rautert ist der erste Fotograf, der den Preis erhält. "Mit seinem auf die moralischen wie sozialen Fragen des Menschen insistierenden Werk fügt sich Rautert als Corinth-Preisträger in die Reihe seiner namhaften Vorgänger“, so Ulrike Lorenz, Direktorin des Kunstforums und Jurymitglied. Bisher erhielten unter anderem Karl Schmidt-Rottluff, Oskar Kokoschka, Bernhard Heiliger, Markus Lüpertz, Sigmar Polke und Katharina Sieverding die begehrte Auszeichnung. Mit der Wahl Timm Rauterts würdigt der seit 2000 undatierte Kunstpreis ein international bedeutendes Lebenswerk.

Timm Rautert wurde 1941 im ehemaligen westpreußischen Tuchel, dem heutigen Tuchola in Polen, geboren. Der heute 67-Jährige widmet sich seit über 40 Jahren der Fotografie. Nach seinem Studium an den Folkwangschule für Gestaltung in Essen erhielt er vor allem für seine vielen sozialkritischen Fotoserien für das "Zeit"-Magazin, die in den Jahren 1974 bis 1983 entstanden, früh internationale Anerkennung. In späteren Jahren widmete er sich vermehrt Ausstellungs- und Buchprojekten, in denen er seinen kritischen Blick auf die Gesellschaft und ihre Arbeitswelt im technologischen Wandel wirft. Seine eindringlichen Bilder erzählen von der sozialen Wirklichkeit, jedoch ohne moralische Anklage. Die Protagonisten in Rauterts Fotografien sind Fabrikarbeiter, Obdachlose und Kinder, deren Lebensverhältnisse und –umstände er oft über Jahre hinweg dokumentiert und porträtiert. Im Wechselspiel zwischen Mensch und Handlungsraum entwickelt Rautert eine Bildsprache, die sich weder stilistisch noch in ihren Inhalten festlegen lässt. Seine Bilder stellen Wirklichkeiten dar und bilden sie als Realitäten ab.

Aus Anlass der Auszeichnung zeigt das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg eine Retrospektive seines Werkes bis zum 5. Oktober. Die Ausstellung "Timm Rautert: no photographing“ stellt mit mehr als 130 Werken das Schaffen Timm Rauterts ausgehend von ersten Arbeiten während seiner Studienzeit bis hin zu noch unveröffentlichten Fotografien vor. Darunter ist auch eine Serie über den Leipziger Maler Neo Rauch.

Wiebke Gronemeyer/dpa

"Timm Rautert – No Photographing"

Termin: bis 5. August, Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg.
http://www.kog-regensburg.de/