Bad Painting - Good Art - MUMOK

Erbarmungslose Schmiererei

Wahnsinns-Ölschinken und eine zynische Achse des Bösen – das Museum Moderner Kunst zeigt schlechte Malerei.
Ohne Erbarmen:Das MUMOK zeigt schlechte Kunst

Böse und ein bisschen schweinisch: André Butzers "Frau" und "Pluton" (beide 2002) werden in Wien in die Tradtion der großen Malsäue gestellt

Das ist keine Pfeife von René Magritte. Das sind viele Pfeifen von René Magritte! Überall stecken sie im Gesicht des Mannes, im Auge, im Hals, in der Stirn, im Mund gleich mehrere. 1948 hatte Magritte die ewigen Variationen seiner erfolgreichen Motive satt. Für eine Ausstellung in Paris hat er damals so richtig die Malsau herausgelassen, seine eigene Malweise und die seiner Kollegen persifliert. "Vache" nannte er diese kurze Periode des Ausbruchs, was auf Französisch soviel wie Kuh heißt, oder auch Gemeinheit.

Genau das war es auch: gemein, weil absichtlich schlecht gemalt. "Bad Painting" wird diese subversive Strategie genannt, mit der die Malerei sich selbst kritisiert. Eine Ausstellung des Wiener Museums moderner Kunst, von Susanne Neuburger und Eva Badura-Triska kuratiert, verfolgt sie nun erstmals quer durch das 20. Jahrhundert. Sie lässt das böse Spiel mit den großen Zweifeln an einer korrekten, schönen, gelungenen Kunst stil(un)sicher mit Francis Picabia beginnen, dem Urgroßvater des "Bad Painting" sozusagen. In den frühen zwanziger Jahren fing der damalige Dadaist und Surrealist nämlich plötzlich an, in mehreren Stilen gleichzeitig zu malen.

Asger Jorn sparte sich gleich die Mühe des Selbstzitats und holte sich seine Vorlagen von 1959 bis 1962 vorgefertigt vom Flohmarkt. So bekamen röhrende Hirsche plötzlich einen veritablen Grund zum Röhren in die saftige Wiese gemalt, nämlich einen schrill-bunten Geist des Abstrakt-Expressiven. Doch so einfach ließ sich das kunsthistorische System nicht irritieren: "Die Avantgarde gibt nicht auf", schmierte Jorn rund um ein Mädchen in weißem Kleidchen. Zuvor hatte er ihm aber noch ein kesses Dalí-Bärtchen gepinselt.

Mit derart breitem Grinsen sah man die Besucher zuletzt bei der Erwin-Wurm-Retrospektive voriges Jahr durch das Mumok schlendern. Es reiht sich ein fetter Wahnsinns-Ölschinken an den anderen. Monströse Füße von Georg Baselitz, melodramatische Szenen von Neil Jennings, ein ganz böser "Hinterbliebener Hilfeschrei in der Gaza Gegend" von Martin Kippenberger oder ein plump entlarvendes Selbstbildnis auf Spiegel von Albert Oehlen. "Malerei ohne Erbarmen" eben, wie Julian Schnabel seine derb über Porzellanscherben hingeworfene Kreuzigungsszene nennt.
In den achtziger Jahren erreichte das "Bad Painting" einen deutlichen Höhepunkt. Da scheint sich zwischen den USA und Deutschland eine zynische "Achse des Bösen" gespannt zu haben, die bis heute hält, denkt man sich zu den altmeisterlich überhöhten Klischeekitsch-Bildern von Lisa Yuskavage und John Currin noch ein brutal süßliches Kätzchen von Martin Eder dazu. Erstmals derart offen gelegt, ist dem "Bad Painting"-Konzept zwar die Provokation genommen. Genau dadurch wird es für ein breiteres Publikum aber überhaupt erst nachvollziehbar, ja sogar liebenswert gemacht.

"Bad Painting - Good Art"

Termin: Bis 12. Oktober, Museum Moderner Kunst (MUMOK), Wien. Katalog: DuMont Buchverlag, 34,90 Euro.
http://www.mumok.at