ARTRMX Cologne Vol. 01 - Köln

Cologne is back!

Köln schien als Metropole für junge Kunst abgemeldet – jetzt will sie das Gegenteil beweisen: Die erste Ausgabe der ARTRMX Cologne bringt internationale, zeitgenössische Künstlerpositionen nach Köln.
Neue Off-Show für junge Kunst:Auftakt für ein neues Kunstfestival in Köln

Maximilian Erbacher, "All by myself", mixed media, 2008

In der Ehrenfelder Rheinlandhalle ging der Stadt Köln früh ein Licht auf. Um 1890 zählten die hier ansässigen Helios-Werke zu den Pionieren der Elektrifizierung und warben mit einem weithin sichtbaren Leuchtturm für die neue Zeit. Heute glimmt dieses Feuer nur noch schwach, was ein bisschen an die Geschichte der Kunstmetropole Köln erinnert. Auch die hat schon bessere Tage gesehen und viel von ihrer Strahlkraft eingebüßt. Wenn die ARTRMX Cologne, Kölns neue Off-Show für junge Kunst, noch bis zum 31. August in der Rheinlandhalle ihr Hauptquartier aufschlägt, liegt die Symbolik auf der Hand: Man will an gute Traditionen anknüpfen und das Feuer wieder schüren.

"Frisch, kritisch und selbstreflexiv" sollten die Werke der von Iren Tonoian ins Leben gerufene Kunstschau sein, aus den knapp 400 Bewerbern suchte die unter anderem durch den ehemaligen Leiter der Art Cologne, Gérard Goodrow, verstärkte Jury 52 junge Künstler aus. Das Programm reicht von klassischer Malerei über Fotografie bis zur Straßenkunst, ist in 30 öffentlichen Orten links und rechts des Rheins zu sehen und wird von einem Rahmenprogramm begleitet, das die Szene mit Guerilla-Grillen oder Hörproben beim Eismann anspricht. Natürlich ist das alles so wenig neu wie die Ästhetik der meisten ausgestellten Werke, doch nachdem sich bereits die Kölner Kunsthochschulen vom 16. bis 24. August unter dem Titel "new talents" im Rheinauhafen präsentierten, darf sich Köln für zwei Wochen wieder als pulsierende Kunststadt fühlen.

Unter dem Feuerturm der Rheinlandhalle zeigt der Fotograf Andreas Meichsner mit seiner Serie "Cluburlaub" eine vielversprechende Talentprobe. In Form einer Bildreportage trägt er maßvoll stilisierte Eindrücke des organisierten Ferienvergnügens zusammen, ohne dabei auf die Sensationslust des Publikums zu setzen. Statt sich über den Teutonengrill im Club-Med-Ambiente zu mokieren, fängt Meichsner in seinen Aufnahmen vom "Schnuppersurfen" und anderen Trockenübungen die allmähliche Angleichung zwischen Arbeitswelt und Freizeitwelt ein (Rheinlandhalle, Venloer Str. 389, Di-Fr 17-21 Uhr, Sa/So 15-21 Uhr).

Auf der rechten Rheinseite erweist sich die in Wien lebende Malerin Elena Steiner als versierte Beobachterin kleinbürgerlicher Verdammnis. Dass ihre in realistischer Manier gemalten Bilder allesamt österreichische Zustände zum Thema haben, mag vielleicht etwas offensichtlich erscheinen, doch lässt man die leeren Blicke, geröteten Augen und gestörten Idyllen in ihren Gemälden lange genug auf sich wirken, geht der Eindruck über den einer gekonnten Karikatur hinaus. Das Porträt einer Frau mit Bluterguss am Hals erzählt eine ganze Lebensgeschichte, und vor dem Familienbild "Gut gemacht Herr Novak" bekommt man eine Ahnung davon, was es heißt, sich ins eigene Unglück zu fügen (The New Yorker Hotel, Deutz-Mülheimer-Str. 204, Mo-Fr 19-21 Uhr, Sa/So 11-14 Uhr).

Malerei, Fotografie, Straßenkunst, doch erstaunlich wenige Videos

Für eine Schau junger Kunst sind auf der artrmx erstaunlich wenige Videos zu sehen, dafür gibt die an der Essener Folkwang-Schule ausgebildete Fotografin Isabel Hernandez eine vortreffliche Lückenbüßerin ab. Zu ihrer Arbeit "Die Lage ist schlimmer, als die Leute glauben" steigt man die Stufen zum Kunstraum Renée Blume hinab und findet sich in einer leicht verwohnten Stube mit Kaffeeausschank und Fernsehanschluss wieder. Über die Mattscheibe laufen Impressionen aus dem urbanen Alltag, meistens trist, manchmal skurril, aber immer mit genauem Blick für vielsagende Bildausschnitte: Eine farbig abgesetzte Doppelhaushälfte zeigt der Nachbarschaft die Grenzen auf, eine ins Fenster gehängte Wichsvorlage begrüßt den Besucher des Katholischen Jugendamts, ein Riesenrad versucht über die Traurigkeit eines Bürokomplexes hinweg zu linsen, und schaukelnde Kinder sind so geschickt von unten aufgenommen, dass die Treppe zum Spielplatz diesen wie eine Gefängnismauer einzuschließen scheint. Auf diese Weise setzt Hernandez den Titel ihrer schönen Videoarbeit mit kleinen Änderungen der Perspektive immer wieder neu ins Recht (Kunstraum Renée Blume, Clemensstr. 29, Mo-Do 16-21 Uhr, So 11.30 Uhr).

In den Spichern-Höfen kehrt man dann ins El Dorado der stark vertretenen klassischen Kunstrichtungen zurück. Hier findet sich abstrakte Malerei von Peter Baader, die Bildhauerin Gudrun Geyssel hat für ihre Arbeit "Nachsitzen" Gesäßabdrücke genommen, und Tanja Selzer verfremdet Bilder der medialen Welt durch eine genuin malerische Farbgebung. Dem Schweizer Tarek Abu Hageb gebührt schließlich Anerkennung für die originellste Technik: Er malt mit dem Lötkolben auf Teppichstücken und bringt es dabei zu einiger Geschicklichkeit (Spichern Höfe, Spichernstr. 6-10, Di-Fr 17-21 Uhr, Sa/So 15-21 Uhr).

ARTRMX COLOGNE VOL.01

Termin: bis 31. August. Ort: Rheinlandhalle/ Helios-Gelände (Venloer Straße 389, 50825 Köln) und weitere Ausstellungsort im Kölner Stadtgebiet.
http://artrmx.de/home.html

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