100 Jahre Kunsthalle - Baden-Baden

Traditon heißt Avantgarde

Schwarzes Quadrat auf weißem Grund. Die Kunsthalle Baden-Baden zeigt im Jubiläumsjahr russische Avantgarde. In Zukunft will man wieder ein Knotenpunkt der internationalen Kunstszene sein.
Malewitsch und seine Brüder:Russische Tradition im Kurort

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Eines der traditionsreichsten deutschen Ausstellungshäuser für zeitgenössische Kunst feiert Geburtstag: Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden blickt im kommenden Jahr auf ihr 100-jähriges Bestehen zurück. Georg Baselitz, Bruce Nauman oder Ellsworth Kelly – Künstler, die später berühmt wurden, hatten hier ihre ersten großen Museumsausstellungen.

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Zum Jubiläum blickt die Kunsthalle noch mal zurück: Vom 25. Oktober an widmet sie sich in einer Großen Landesausstellung mit Kasimir Malewitsch (1879-1935) einem der einflussreichsten Maler des 20. Jahrhunderts.

Ausgehend von seinem berühmten "Schwarzen Quadrat auf weißem Grund" – einer Ikone der modernen Malerei – sind bis zum 25. Januar mehr als vierzig Gemälde der russischen Avantgarde, zahlreiche Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Revolutionskeramiken zu sehen – von Wassily Kandinsky über Alexander Rodtschenko bis hin zu Wladimir Tatlin. Der von Malewitsch begründete Suprematismus gilt als erste konsequent gegenstandslose Kunstrichtung und ist bis heute wegweisend für die abstrakte Kunst.

Mit der Schau "Von der Fläche zum Raum. Malewitsch und die frühe Moderne" will die Kunsthalle ihren internationalen Anspruch bei der Vermittlung moderner und zeitgenössischer Kunst unterstreichen - und,
wie Leiterin Karola Kraus (geborene Grässlin) unterstreicht, auch an die große russische Tradition in dem Kurort erinnern. Schließlich weilten einst nicht nur Dichter wie Iwan Turgenjew oder Fjodor Dostojewski hier; auch heute noch zieht es viele Russen nach Baden-Baden.

Die 1907-1909 von den Architekten Hermann Billing und Wilhelm Vittali erbaute Kunsthalle wurde 1909 als Ausstellungsgebäude der Freien Künstler–Vereinigung Baden e.V. eingeweiht. Ziel war es, "der deutschen Kunst ein würdiges Heim zu schaffen und zu erhalten" sowie "die bildende Kunst durch die Veranstaltung von Ausstellungen zu
fördern". Seit 1927 ist die Kunsthalle in staatlichem Besitz, seit den 1950er Jahren hat sie internationalen Anspruch.

Mit dem legendären Projekt "14 x 14" von Klaus Gallwitz und großen Überblicksausstellungen von Ellsworth Kelly, Bruce Nauman, Imi Knoebel und Dan Flavin wurde die Kunsthalle zu einem Anziehungspunkt der internationalen Kunstszene. Die neue Leiterin Karola Kraus will diese Tradition fortsetzen. Ihre erste Schau ("Whos Afraid of Red,
Yellow and Blue?") stellte verschiedene Positionen der Farbfeldmalerei vor. Zu sehen waren Werke von Künstlern wie Dan Flavin, Günther Förg, Gerhard Richter und Mark Rothko.

Das neoklassizistische Gebäude mit einer Ausstellungsfläche von 700 Quadratmetern liegt in Baden-Badens Vorzeige-Parklandschaft, der berühmten Lichtentaler Allee. Über eine gläserne Brücke ist es mit dem privaten Museum des Sammlers Frieder Burda verbunden. Auch wenn die Kunsthalle von den Besucherzahlen her nicht mit Publikumsmagneten wie der Chagall- oder Picasso-Schau im Frieder-Burda-Museum mithalten kann: Die Kunsthallen-Chefin freut sich dennoch über eine "fruchtbare Kooperation" und Synergieeffekte durch Kombi-Karten der Museen: Wer für Picasso nach Baden-Baden kommt, der schaut bei der Gelegenheit auch in die Kunsthalle.

Da kommt es dem Ausstellungshaus ohne eigene Sammlung ganz gelegen, dass in unmittelbarer Nachbarschaft zudem ein neues Museum des Unternehmers Wolfgang Grenke entsteht. "Unser Auftrag ist es, das Publikum an die zeitgenössische Kunst heranzuführen", sagt die Kunsthistorikerin und Tochter des Sammlerehepaars Grässlin. Ihr
Hauptaugenmerk liegt auf der Kunst aus den 1980er, 1990er und 2000er Jahren. "Ich halte es aber auch für wichtig, jüngere Tendenzen mit künstlerischen Positionen der 1960er und 1970er Jahre in Verbindung zu bringen."

Auch "cross over" zwischen künstlerischen Bereichen sind geplant – mit Kunstschauen, Videovorführungen oder DJ-Veranstaltungen soll die Halle als lebendiges Diskussionsforum erlebt werden. "Es ist mein
Ziel, die Kunsthalle Baden-Baden wieder zu einem Knotenpunkt der internationalen Kunstszene zu machen", sagt Karola Kraus.

Susanne Kupke, dpa

Kunsthalle Baden-Baden

"Von der Fläche zum Raum. Malewitsch und die frühe Moderne", 25. Oktober bis 25. Januar
http://www.kunsthalle-baden-baden.de